Autor: Manfred Ertl; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 20.11.2017

Im Fokus des Lehrgangs: Der Einsatz in Hauptquartieren von UN-Missionen

Im Fokus des Lehrgangs: Der Einsatz in Hauptquartieren von UN-Missionen

Teilnehmende aus dem zivilen Bereich

Teilnehmende auch aus dem zivilen Bereich

Austausch zwischen deutschen und internationalen Teilnehmenden

Austausch zwischen deutschen und internationalen Teilnehmenden

Praktische Anwendung des Gelernten in einer Planübung

Praktische Anwendung des Gelernten in einer Planübung

 

 

Der Einsatz deutscher Soldatinnen und Soldaten in Friedensmissionen der Vereinten Nationen (UN, United Nations) ist mittlerweile ein fester Bestandteil des Aufgabenspektrums der Bundeswehr, der künftig noch an Bedeutung gewinnen wird. Die Bundeswehr hat ein Paket von Maßnahmen geschnürt, um die Soldaten bestmöglich auf diese Einsätze vorzubereiten. Eine dieser Maßnahmen ist die Schaffung eines UN Staff Officer Course (UNSOC) an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Ziel dieses dreiwöchigen Lehrgangs ist es, Angehörige der deutschen Streitkräfte auf den Einsatz als Stabsoffizier in Hauptquartieren von UN-Missionen vorzubereiten. Der UN Staffofficer Course (UNSOC) gehört weltweit zu den wenigen Lehrgängen, die von den Vereinten Nationen zertifiziert und deswegen besonders attraktiv sind.

Zivile und militärische Teilnehmer

Da UN-Hauptquartiere nie rein militärische Einrichtungen sind, steht der UNSOC auch Mitarbeitern ziviler Institutionen offen. So nehmen zum Beispiel regelmäßig Vertreter deutscher Polizeibehörden am Lehrgang teil. Darüber hinaus entsenden auch andere Nationen Offiziere an die Führungsakademie. Dadurch ist der UNSOC durch Multinationalität geprägt wie auch das Aufeinandertreffen einer Vielzahl unterschiedlicher Organisationskulturen, was für die Situation in UN-Einrichtungen typisch ist. Es verwundert nicht, dass die Lehrgangssprache Englisch ist – eine Notwendigkeit, um in einer multinationalen Gruppe gemeinsam lernen und arbeiten zu können.

Peacekeeping-Missionen im Fokus

Der Lehrgang besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Im ersten, zwei Wochen dauernden Abschnitt werden die Grundkenntnisse vermittelt, die erforderlich sind, um Grundlagen der Vereinten Nationen als Institution sowie die Funktionsweise von Peacekeeping-Missionen zu erfassen. Dazu befassen sich die Teilnehmenden zunächst mit den historischen, rechtlichen und konzeptionellen Grundlagen des Peacekeepping.

Anschließend geht es um die konkrete Organisation einer Friedensmission sowie um die unterschiedlichen Aufgaben und Zielsetzungen, die im Fokus derartige Missionen stehen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Prinzip des multidimensionalen Peacekeepings, das große Übereinstimmung mit dem Prinzip der vernetzten Sicherheit aufweist.

Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die meisten heutigen Konflikte nicht rein militärisch sind, sondern dass sie eine Vielzahl weiterer Dimensionen umfassen wie etwa eine prekäre humanitäre Lage, mangelndes Demokratieverständnis der Konfliktparteien, ethnische Spannungen und fehlende staatliche Strukturen. Folglich darf eine Stabilisierungsoperation auch nicht eindimensional auf die Sicherheitslage einwirken. Sie muss vielmehr auf politischem, humanitärem oder ökonomischem Gebiet die Voraussetzungen schaffen, dass ein Waffenstillstand auch zu einem dauerhaften und belastbaren Frieden führt.

Verknüpfung ziviler und militärischer Aspekte

Vor diesem Hintergrund werden beim Lehrgang insbesondere Fragestellungen aus den Bereichen humanitäre Hilfe, Entwicklungsarbeit sowie Wiederaufbau von Polizeistrukturen und der lokalen Zivilgesellschaft behandelt. Im dem Zusammenhang befassen sich die Teilnehmenden auch mit den Grundprinzipien der Logistik bei einer solchen Mission, die sich von den Prinzipien und Prozessen rein militärischer Logistik zum Teil erheblich unterscheiden. Den Input-Teil des UNSOC runden Vorträge über die Staff Procedures in UN-Missionen, Verhaltensregeln für UN-Personal und grundlegende Prinzipien der Vereinten Nationen wie die Berücksichtigung von Gender-Aspekten oder der Schutz der Zivilbevölkerung im Einsatzland ab.

Planübung zur praktischen Anwendung des Gelernten

In der dritten Woche des Lehrgangs wenden die Teilnehmenden das Erlernte im Rahmen einer Planübung praktisch an. Sie erhalten den Auftrag, in dem fiktiven Land Kolpoto im Westen Afrikas eine UN-Peacekeeping-Mission zu planen. Der militärische Operationsplan für die Friedenstruppe ist dabei allerdings nur ein Teil des Vorhabens. Denn parallel dazu muss in der Übung ein Konzept für den politischen Prozess, ein Plan für die humanitäre Operation und für die Koordinierung von Entwicklungsprojekten sowie ein Logistikkonzept entwickelt werden. Hierbei steht im Vordergrund, dass die Lehrgangsteilnehmenden am Beispiel einer konkreten Problemstellung nachvollziehen können, welche Aufgaben die verschiedenen Akteure in einem Hauptquartier einer Peacekeeping-Mission haben und wie sie interagieren.

Damit leistet die Führungsakademie einen elementaren Beitrag für gelingende UN-Missionen.

 

Projekt mit Zukunft: IT wird neu aufgesetzt

Autor: Daniel Giese; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 16.11.2017

Gruppenfoto der Teilnehmer nach dem Eintrag ins Gästebuch

Gruppenfoto der Teilnehmer nach dem Eintrag ins Gästebuch

Der Kommandeur eröffnet das Strategiegespräch

Der Kommandeur eröffnet das Strategiegespräch

Fruchtbarer Dialog und enge Zusammenarbeit

Fruchtbarer Dialog und enge Zusammenarbeit

 

 

 

Für die Führungsakademie der Bundeswehr ist es von zentraler Bedeutung, auch künftig über ein leistungsfähiges, innovatives und zukunftsweisendes IT-System zu verfügen. Vor diesem Hintergrund erörterten Vertreter der Führungsakademie, des Bundesministeriums der Verteidigung, der BWI GmbH sowie des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr Mitte November in einem Strategiegespräch in Hamburg die Rahmenbedingungen für die Realisierung des neuen „IT-Systems FüAkBw 2017+“. Ziel dieses Projekts ist es, das bestehende IT-System der Führungsakademie in den Regelbetrieb des HERKULES-Folgeprojekts zu überführen und auf dieser technischen Basis neu aufzusetzen.

Strategiegespräch an der Führungsakademie

Bei seiner Begrüßung der 20 Teilnehmenden unterstrich der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, dass sich die Weiterentwicklung und Neugestaltung des IT-Systems in die aktuell laufende Neuausrichtung der höchsten Bildungseinrichtung der Bundeswehr einfügt und diese unterstützt. „Entscheidende Anforderungen ergeben sich über den Lehrbetrieb hinaus aus der neuen Rolle der Führungsakademie als strategische Denkfabrik für Bundeswehr und Verteidigungsministerium“, erklärte der Kommandeur. „Das neue IT-System muss nicht zuletzt die Voraussetzungen erfüllen für ein künftig noch komplexeres Wissensmanagement wie auch für erweiterte Kooperationen mit anderen nationalen und internationalen Institutionen.“


Innovatives IT-Projekt mit Leuchtturmcharakter

Oberst i.G. Hansjörg Witt, Leiter der Steuerungsgruppe IT-System der Führungsakademie, wies auf die Wichtigkeit hin, den Lehrgangsteilnehmern und Dozenten eine auftrags- und bedarfsgerechte sowie zeitgemäße und leistungsfähige IT zur Verfügung zu stellen. „Auf diesem Feld wollen wir Innovationsmotor sein“, sagte er. Absicht sei es, bei Themen wie Fernstudium oder e-Learning an der Spitze zu stehen. Über die Führungsakademie hinaus solle in die gesamte Bundeswehr hinein und auch international das Signal ausgesendet werden: „Wir haben eine innovative und zukunftsfähige IT, die auch als Blaupause für andere Nutzer dienen kann.“

Enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit

Die Partner hoben die vertrauensvolle Zusammenarbeit hervor, die das Miteinander aller Beteiligten bislang geprägt habe. Durch großartiges Engagement und intensives Zusammenwirken sei es gelungen, in nur kurzer Zeit den Grundstein für dieses IT-Projekt zu legen. Alle Partner waren sich einig, dass es sich um ein wichtiges Leuchtturmprojekt handelt.

 

Autor: Thomas Böhlke; Fotos: Bundeswehr

Hamburg, 13.11.2017

Diskussionsrunde bei der Stiftung Wissenschaft und Politik

Diskussionsrunde mit Dr. Heiduk

Informationsbesuch im Büro des Wehrbeauftragten

Informationsbesuch im Büro des Wehrbeauftragten

Besuch der Sanitätsstaffel Einsatz in Munster

Besuch der Sanitätsstaffel Einsatz in Munster

Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung

Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung

Abschlussabend auf dem Segelschiff Rickmer Rickmers

Abschlussabend auf dem Segelschiff Rickmer Rickmers

 

Reisen bildet! Diesem Motto folgend besuchten 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 62. Generalstabslehrgangs der philippinischen Streitkräfte Deutschland. Ziel der Reise war es, einerseits einen vertieften Einblick in die deutschen Streitkräfte, in die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Bundesrepublik wie auch in die Ausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr zu erhalten, sowie andererseits auch die Kultur und die Menschen hierzulande kennenzulernen. Die philippinische Delegation wurde angeführt von Generalmajor Herminigildo F. C. Aquino, Kommandeur des neugebildeten „Education, Doctrine and Training Command“.

Innere Führung und „Staatsbürger in Uniform“

Besonders Interesse zeigte der Führungsnachwuchs der philippinischen Streitkräfte am Konzept der Inneren Führung und am Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“. Bei einem Besuch des Büros des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages in Berlin informierten sich die angehenden Generalstabsoffiziere über die historischen Ursprünge und die konzeptionellen Grundlagen der Führungsphilosophie der Bundeswehr. Dabei wurde ihnen unter anderem auch vermittelt, wie die demokratischen Rechte eines jeden Soldaten geschützt werden und wie die parlamentarische Kontrolle der Streitkräfte im politischen System der Bundesrepublik in der Praxis umgesetzt wird.

Umfassendes Besuchsprogramm in Berlin

Den Startpunkt des kompakten, anderthalbtägigen Programms in der Hauptstadt bildete ein Empfang in der philippinischen Botschaft durch Botschafterin Melita Sta. Maria-Thomeczek. Bei diesem Termin gab der Botschaftsstab zunächst eine Einschätzung der aktuellen deutsch-philippinischen Beziehungen. Die Teilnehmer des Generalstabslehrgangs informierten ihrerseits die Mitarbeiter der Botschaft über die derzeitige militärische Situation auf der philippinischen Inselgruppe Mindanao sowie über Rolle und Stellung von Frauen in den Streitkräften.

Bei einem Besuch der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) erfuhren die Gäste interessante Details zur Rolle der Stiftung als unabhängiger Think Tank und zu ihren Aktivitäten in der Politikberatung. Auf großes Interesse stieß die Tatsache, dass aktive Bundeswehroffiziere als „Fellows“ im akademischen Team der SWP tätig sind. Der anschließende intensive Gedankenaustausch zu sicherheitspolitischen Fragen in Südostasien und Europa sowie zum Ausgang der Bundestagswahl vermittelte den philippinischen Stabsoffizieren wie auch den Stiftungsmitarbeitern viele neue Erkenntnisse.

Dies galt ebenso für den Termin in der Hamburgischen Landesvertretung in Berlin. Der Leiter der Landesvertretung, Steffen Hebestreit, vermittelte den philippinischen Offizieren exklusive Einblicke in die Praxis der Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern am Beispiel der Hansestadt. Für die Gäste war dies ein spannender Wissenstransfer, da auf den Philippinen derzeit über die Einführung eines föderalen Staatssystems nachgedacht wird.

Attraktive Unternehmensbesichtigungen

Neue Entwicklungen in der Militärtechnologie, speziell im Bereich des Baus gepanzerter Fahrzeuge sowie bei Artilleriesystemen, standen im Mittelpunkt des Besuchs bei der Firma Rheinmetall im niedersächsischen Unterlüß. Darüber hinaus wurde der philippinischen Delegation bei Airbus in Finkenwerder nicht nur der Militär-Airbus A400M vorgestellt, sondern vor allem auch das Konzept der Fertigung von Flugzeugen im Verbund mehrerer europäischer Produktionsstandorte.

Informationen über medizinische Versorgung im Einsatz

Besonders interessiert waren die philippinischen Gäste zudem am deutschen System der medizinischen Versorgung von Soldaten. Vor diesem Hintergrund bot ein Besuch der Sanitätsstaffel Einsatz in Munster unmittelbare Einblicke in die Ausstattung und die Möglichkeiten des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Die Generalstabsoffiziere erhielten aus erster Hand nicht nur Informationen zu den konzeptionellen Grundlagen der medizinischen Versorgung. Auch die Planung und die praktische Umsetzung im Einsatz wurden vorgestellt. Soldaten der Sanitätsstaffel präsentierten mithilfe von Fahrzeugen und Materialien sehr anschaulich das gesamte integrierte Versorgungsspektrum der militärischen „Retter“.

Besuch der Führungsakademie

Einen zentralen Programmpunkt der Reise bildete der Besuch der Führungsakademie in Hamburg. Den Auftakt bildete ein informativer Vortrag über die Einsätze der Bundeswehr im multinationalen Rahmen. Da multinationale Operationen derzeit nicht auf der Agenda der philippinischen Streitkräfte stehen, kam es im Anschluss zu einer intensiven Diskussion etwa über die anzuwendende Doktrin wie auch zu Aspekten von Kompatibilität und Führung.

Vorgestellt wurde ferner die Ausbildung an der Führungsakademie sowie die aktuell laufende Neuausrichtung. Im Fokus stand dabei nicht zuletzt die Frage, wie eine zeitgemäße, kompetenzorientierte Ausbildung von Stabsoffizieren heute und künftig konzipiert sein sollte. Bei einer Besichtigung des Manfred-Wörner-Zentrums konnten sich die Gäste darüber hinaus ein umfassendes Bild von den technischen Möglichkeiten der Ausbildungsgestaltung an der Akademie machen.

Der Aufenthalt in der Hansestadt bot auch die Gelegenheit zu einem Besuch des Internationalen Seegerichtshofs. Dort informierte sich die Delegation über die rechtlichen Grundlagen des Gerichtshofs wie auch über seine Funktion und Arbeitsweise.

Fortsetzung der erfolgreichen Zusammenarbeit

Der einwöchige Aufenthalt des philippinischen Generalstabslehrgangs erfolgte im Rahmen der langjährigen Kooperation der Führungsakademie mit dem „Command and General Staff College“ und dem „National Defense College“ der philippinischen Streitkräfte. Ausdruck der erfolgreichen Zusammenarbeit ist nicht zuletzt auch die regelmäßige Teilnahme von zwei philippinischen Stabsoffizieren am Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI).

In der Vergangenheit ergaben sich aus dem intensiven Austausch immer wieder inhaltliche Anregungen, von denen einige im Anschluss von den philippinischen Streitkräften rezipiert wurden, so etwa die Einführung eines „Senior Mentors“ in der Ausbildung oder die Implementierung von Aspekten des Wargamings in der Operativen Planung.

Bei Gegenbesuchen in Manila wurden im vergangenen Jahr die Themen zivile und demokratische Kontrolle, Joint Ausbildung sowie der Beitrag von Streitkräften zur Konfliktbewältigung von Dozenten der Militärakademien beider Länder gemeinsam bearbeitet. Zu Gast in der philippinischen Hauptstadt waren im Herbst 2016 auch die Teilnehmer des Deutschen „Capstone Course“. Teilnehmer des LGAN besuchten die Philippinen in den letzten Jahren mehrfach im Rahmen von Studienaufenthalten für die Erstellung ihrer Lehrgangsarbeiten.
Der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, und der Kommandeur des „Education, Doctrine und Training Command“, Generalmajor Herminigildo F. C. Aquino, bekräftigen ihren Willen, diese Zusammenarbeit mit Tradition weiter fortzuschreiben. Zu diesem Zweck unterzeichneten sie im Rahmen des Besuchs der philippinischen Delegation eine gemeinsame „Declaration of Intent“.

Autor: Daniel Giese; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 10.11.2017

Begrüßung an der Führungsakademie durch Flottillenadmiral Schneider (r.)

Begrüßung an der Führungsakademie durch Flottillenadmiral Schneider (r.)

Eintrag ins Gästebuch der Führungsakademie

Eintrag ins Gästebuch der Führungsakademie

Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch den Generalinspekteur

Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch den Generalinspekteur

Dankesworte des griechischen Generalstabschefs

Dankesworte des griechischen Generalstabschefs

Admiral Apostolakis beantwortet Fragen der Lehrgangsteilnehmer

Admiral Apostolakis beantwortet Fragen der Lehrgangsteilnehmer

Große Ehre für Admiral Evangelos Apostolakis, Chef des Generalstabs der griechischen Streitkräfte: An der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg hat ihm General Volker Wieker, Generalinspekteur der Bundeswehr, das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Mit der Auszeichnung werden die außerordentlichen Leistungen von General Apostolakis um die deutsch-griechische Freundschaft, die militärische Zusammenarbeit beider Länder sowie sein Einsatz für die europäische Sicherheit gewürdigt.. 

Festakt an der Führungsakademie

Die Ordensverleihung fand im Rahmen eines Festakts mit mehr als 200 Gästen, darunter Vertretern der Akademieführung sowie Teilnehmern der Generalstabs-/Admiralstabslehrgänge National (LGAN) 2016 und 2017, im Manfred-Wörner-Zentrum statt. Zuvor hatte sich Admiral Apostolakis nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Kommandeur der Führungsakademie, Flottillenadmiral Karsten Schneider, im Stabsgebäude in das Gästebuch der Akademie eingetragen.

Generalinspekteur würdigt Verdienste

Der Generalinspekteur würdigte Admiral Apostolakis in seiner Laudatio als „passionierten und unerschütterlichen Europäer“, der Partnerschaft und Kooperation aus tiefer Überzeugung lebe, fördere und fordere. Konfrontiert mit den aktuellen Herausforderungen, die die europäischen Grundwerte bedrohten, habe er sich in den vergangenen zwei Jahren als griechischer Generalstabschef vorbildlich für unsere gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik eingesetzt. General Wieker betonte, Admiral Apostolakis sei „ein Offizier, den besondere Integrität, Weitsicht und analytische Fähigkeiten auszeichnen“.  Er habe ihn als militärische Führungskraft mit Entschlossenheit, Pragmatismus, Verantwortungsbewusstsein und herausragendem Engagement kennen gelernt.

Vortrag von Admiral Apostolakis

Admiral Apostolakis hob in seinen Dankesworten hervor, die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz sei eine „große Ehre“, die er auch stellvertretend für die griechischen Streitkräfte entgegen nehme. Die Verleihung reflektiere nicht zuletzt die sehr guten Beziehungen zwischen den Armeen beider Staaten. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten 17 griechische Generalstabsoffiziere an der Führungsakademie ausgebildet worden sind. Damit hat er die bis heute andauernde Bedeutung des LGAN nachhaltig verdeutlicht.

Griechenlands Rolle in der Welt

In seinem Vortrag gab der griechische Generalsstabschef eine Einschätzung der aktuellen sicherheitspolitischen Lage in Europa wieder. Angesichts der neuen Herausforderungen etwa durch Islamismus und Migration sei es das Ziel, die Leistungsfähigkeit der griechischen Streitkräfte insbesondere durch Modernisierung und Neustrukturierung zu erhöhen. Außerdem bemühe sich sein Land, die Zusammenarbeit mit allen Anrainerstaaten im östlichen Mittelmeerraum weiter zu intensivieren. Admiral Apostolakis unterstrich, dass Griechenland auch künftig einen wichtigen Beitrag zur Stabilität in der Region leisten wolle.

Reger Gedankenaustausch

Nach seinem Vortrag stand der griechische Generalstabschef den Lehrgangsteilnehmern in einer Fragerunde Rede und Antwort. Den angehenden Generalstabsoffizieren bot sich dabei die besondere Gelegenheit, von der Expertise eines hochrangigen NATO-Offiziers zu profitieren und vor allem auch eine Einschätzung gegenwärtiger sicherheitspolitischer Problemstellungen aus externer Perspektive zu erhalten. Dieser offene Austausch über aktuelle sicherheitspolitisch relevante Themen hat für beide Seiten erkenntnisreiche Einblicke gebracht. Ein lebendig gelebtes Lehrdeputat: Um diese Art von Austausch aktiv zu fördern, wurde das Lehrdeputat aus der Taufe gehoben. Mit Admiral Apostolakis ist das Konzept erneut aufgegangen.

  

 

Autor: Michel Gallien; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 09.11.2017

Oberst i.G. Hennig Weeke begrüßt die Gäste

Die drei Säulen des BGMs

Deutsche und internationale Lehrgangsteilnehmer im Dialog

Rückenschule als eine der BGM-Maßnahmen

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

Training ist auch am Arbeitsplatz möglich

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

BGM – Für Soldaten und Zivile Angehörige

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

Vielfältige Übungen: Vom Pezziball bis zum TRX-Band

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

TRX-Schlingentraining zur Stärkung der Rückenmuskulatur

Der Rücken schmerzt, der Nacken ist verspannt, die Konzentration versinkt im Stress. Wer kennt die alltäglichen Leiden nicht? Was sich anfangs oft als vermeintlich harmlose Beschwerden darstellt, kann bei zu wenig Beachtung schnell zu ernst zu nehmenden körperlichen oder psychischen Krankheiten führen. Um diesen und vielen weiteren Herausforderungen im Alltag zu begegnen, ist das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) geschaffen worden. Im September hat an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) die Erprobungsphase für das BGM begonnen. 2018 soll das BGM in den Regelbetrieb übergehen.

Was ist das BGM?

Unter dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) wird die Gestaltung, Lenkung und Entwicklung betrieblicher Strukturen und Prozesse verstanden, die zum Ziel haben, die Arbeit, die Organisation und das Verhalten am Arbeitsplatz gesundheitsförderlich zu gestalten. Dies soll den Beschäftigten und dem Unternehmen gleichermaßen zugute kommen.

Drei Säulen der Gesundheit

Das BGM umfasst drei Säulen. Den Schwerpunkt bildet die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). Die BGF hilft, z.B. mit Stressfaktoren umgehen zu können oder den eigenen Bewegungsapparat gezielt zu trainieren und zu stärken. Umfassende Angebote zur BGF werden nach und nach in allen Dienststellen eingeführt. Dazu gehören Bewegungskurse wie „Rückenschule“ oder „Aquajogging“, aber auch „Raucherentwöhnung“ oder „Suchtprävention“. Die Teilnahme an den Maßnahmen der BGF sind für alle Beschäftigten freiwillig. Einen besonderen Attraktivitätsgewinn stellt die BGF für Zivilbeschäftigte dar, für die zuvor kein Sport während der Dienst– oder Arbeitszeit vorgesehen war.

Arbeits- und Gesundheitsschutz als zweite Säule

Die zweite Säule bildet der Arbeits- und Gesundheitsschutz (AGS). Dieser ist gesetzlich vorgegeben und umfasst einerseits die Fürsorgepflicht des Vorgesetzten / Arbeitgebers. Andererseits werden durch den AGS situativ angepasste Arbeitsmittel bereitgestellt. Ein Beispiel hierfür ist der elektrisch höhenverstellbare Schreibtisch, der eine bessere und gesündere Körperhaltung ermöglicht. Weitere wichtige Bestandteile des AGS sind unter anderem Gefährdungsbeurteilungen durch psychische Belastungen oder auch externe Gefahrenquellen, wie Lärm oder Strahlung.

Motivation durch Information

Die Bereitschaft zur Teilnahme am BGM soll durch die dritte Säule „Führung und Organisation“ (FuO) gefördert und gewährleistet werden. Die Führungskräfte sind dazu angehalten, die Mitarbeiter zu sensibilieren, auf die eigene Gesundheit zu achten. Dabei handeln die Führungskräfte zugleich mit Vorbildfunktion. Damit eine Führungskraft vorbildlich führt, sind ein selbst eingehaltener, gesunder Führungsstil und das richtige Delegieren von Aufträgen wichtige Erfolgsfaktoren.

Konzeption und Verantwortlichkeit

Im Zuge der Agenda „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders.“ ist 2015 durch das BMVg damit begonnen worden,  das Betriebliche Gesundheitsmanagement an zunächst elf ausgewählten Standorten einzuführen. Unter dem Titel  „Gesundes Arbeiten“ wird es jetzt nach und nach bis 2019 bundeswehrweit etabliert. Die Federführung bei der Umsetzung lag im Schwerpunkt beim Sanitätsdienst. Das BGM gilt von der Truppe bis zum Ministerium, vom Bundeswehrkrankenhaus bis hin zur Militärseelsorge. Dabei unterstützen BGM-Koordinierende an den Standorten. Jede Dienststelle gründet dafür ein Gremium "Gesundheit", das die Einführung des BGM plant, steuert und später überwacht. Die Durchführung von Maßnahmen im Sinne der Betrieblichen Gesundheitsförderung obliegt den durchführenden Dienststellen.

Vielfältige Angebote an der FüAK

Der Angebotskatalog der BGM-Maßnahmen ist umfangreich. An der FüAkBw werden Maßnahmen wie beispielsweise „Funktionelles Training“ oder „Rückenschule“, systematisches Ganzkörpertraining mit dem eigenen Körpergewicht oder unter Zuhilfenahme von Pezziball oder Thera-Band, angeboten. Dies dient auf der einen Seite zur Kräftigung der Tiefenmuskulatur, hilft aber auch gleichzeitig dabei, Rückenbeschwerden vorzubeugen oder zu lindern, denn Rückenprobleme treten oftmals schon durch Fehlhaltungen am Arbeitsplatz auf. Beim „TRX-Schlingentraining“ und „AquaGym“ wird gezielt die Koordination und Beweglichkeit durch gelenkschonende Übungen gestärkt und verbessert. Die Stärkung der körperlichen Flexibilität und Sensibilisierung der eigenen Körperwahrnehmung steht hier im Fokus. Die Beseitigung innerer und äußerer Verspannungen abzubauen und den Köprer und Geist der Teilnehmenden zu fördern, zu mobilisieren und zu stabilisieren, ist das Ziel des gleichnamigen Kurses. Wer seine Zeit gern im Freien verbringt, kann sich bei der wenig verletzungsanfälligen Outdoor-Sportart „Nordic Walking“ durch die grüne Natur bewegen. Wer schließlich noch zukünftig mit einem gesünderen Führungsstil arbeiten möchte, lernt im Kurs „Gesundes Führen“, wie wichtig es ist, ein eigenes Zeit- und Belastungsmanagement aufzubauen. Für den nachhaltigen, gesundheitsfördernden Umgang zur Prävention, aber auch mit bereits eingetretenen Beeinträchtigungen sieht das BGM unter anderem psychosoziale Beratungen und sporttherapeutische Lehrgänge vor. Letztere werden an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf angeboten werden.

Ein Zwischenfazit

Die Ressourcen von Menschen sind endlich. Gehen die Ressourcen aus oder werden diese zu schnell verbraucht, führt dies zu Kopf- und Gliederschmerzen, Depressionen oder sogar letztlich zur Arbeitsunfähigkeit. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement soll dies verhindern helfen. Die Angebote sind vielfältig, die Mitgestaltung einfach, der Effekt enorm.

Tag der Regionen 2017: kulinarische Reise               durch Deutschlands Bundesländer

Autor: Marc Nolte; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 08.11.2017

Oberst i.G. Hennig Weeke begrüßt die Gäste

Oberst i.G. Hennig Weeke begrüßt die Gäste

Deutsche und internationale Lehrgangsteilnehmer im Dialog

Deutsche und internationale Lehrgangsteilnehmer im Dialog

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

Bayerische Traditionen in Lederhosen und Dirndl

Bayerische Traditionen in Lederhosen und Dirndl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist eine liebgewonnene Tradition an der Führungsakademie: Beim „Tag der Regionen“ werden die Familien und Freunde der neuen Teilnehmer des internationalen und nationalen Generalstabslehrgang begrüßt. Die vom nationalen General-/Admiralstabslehrgang (LGAN) 2016 ausgerichtete Willkommensveranstaltung präsentierte den rund 350 geladenen Gästen aus aller Welt die kulinarische und kulturelle Vielfalt der 16 Bundesländer. Für viele von ihnen ist es der erste Aufenthalt in Deutschland. So bot der Abend nicht nur die Möglichkeit, sich zu vernetzen und neue Freundschaften zu schließen, sondern auch die verschiedenen Regionen des Landes kennenzulernen, das in den kommenden zwei Jahren ihr Lebensmittelpunkt sein wird. 

Deutschland stellt sich vor 

In seiner Begrüßungsansprache betonte der Leiter des LGAN 2016, Oberst i.G. Hennig Weeke, die beiden zentralen Ziele des Abends: „Wir möchten die neuen Lehrgänge begrüßen und vor allem den Familien der internationalen Lehrgangsteilnehmer die vielen Facetten unseres Heimatlandes nahe bringen.“ An Ständen, die alle 16 Bundesländer repräsentierten, konnten die Gäste ausgewählte kulinarische Spezialitäten probieren. Das vielfältige Angebot reichte vom berühmten Pfälzer Saumagen über thüringischen Mutzbraten, die Currywurst aus dem Ruhrpott bis hin zu Hamburger Küstennebel und badischem Wein. Die Kameradinnen und Kameraden des LGAN 2016 richteten den Blick der Gäste dabei nicht nur auf regionale Speisen und Getränke. Vielmehr ging es auch darum, ihnen landestypische Kleidung und Bräuche vorzustellen. Hamburger Fischerhemden und Bayerische Dirndl prägten die Veranstaltung daher ebenso wie Kölscher Karneval und süddeutsche Bierzeltatmosphäre.

Diversität und Multinationalität  

Vor diesem Hintergrund war der „Tag der Regionen“ für den Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, nicht zuletzt eine Veranstaltung mit Symbolcharakter: „Die hier gezeigte Diversität unseres Landes ist eine Stärke Deutschlands, und die vielen unterschiedlichen Nationen, die hier an der Akademie zusammen lernen und leben, zeigen die Stärke unserer heutigen, mit unseren Partnern gelebten Multinationalität.“ Beide Aspekte sind prägend für das Miteinander an der höchsten militärischen Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr und waren an diesem Abend für die Gäste auf ganz besondere Weise erlebbar. 

Welt zu Hause in Hamburg 

Im Fokus des Abends stand daher nicht nur das Kennenlernen Deutschlands. Vielmehr sollte besonders den Familien der internationalen Lehrgangsteilnehmer die Möglichkeit geboten werden, in lockerer Atmosphäre miteinander ins Gespräch zu kommen, sich zu vernetzen und neue Freundschaften zu schließen. Während die Erwachsenen den anregenden Abend bei Livemusik genossen, gab es für die kleinen Gäste mit Hüpfburg und großer Spielecke ein spannendes Alternativprogramm. „Es ist faszinierend zu sehen, wie unsere Kinder ohne Hemmungen miteinander spielen, auch wenn sie unterschiedliche Sprachen sprechen“, freute sich ein italienischer Lehrgangsteilnehmer.

"Wir sind angekommen"

Nachdem die vielen Brotzeiten und Bratwürste verzehrt waren, formulierten die Gäste als einhelliges Fazit: Der „Tag der Regionen 2017“ war eine rundum erfolgreiche Veranstaltung und insbesondere für die Angehörigen und Familien der internationalen Lehrgangsteilnehmer ein gelungener Auftakt ihres Aufenthalts in Deutschland. „Auch über die dienstlichen Belange hinaus sind wir an der Führungsakademie jetzt richtig angekommen“, lautete daher ein oftmals gehörtes Resümee der neuen Kameradinnen und Kameraden.

  

 

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Katharina Junge

Hamburg, 02.11.2017

Begrüßung durch den Kommandeur

Die Militärattachés folgten dem Vortrag mit großem Interesse

Die Militärattachés folgten dem Vortrag mit großem Interesse

Generalleutnant Martin Schelleis stellt die SKB vor

Generalleutnant Martin Schelleis stellt die SKB vor

Viele ausländische Gäste

Viele ausländische Gäste

Militärattachés im Dialog

Militärattachés im Dialog

 

„Willkommen zu Hause“ – mit diesen Worten hat der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), Konteradmiral Carsten Stawitzki, 26 Militärattachés aus aller Welt an der FüAk begrüßt. „Schön, dass Sie wieder bei der alten Alma Mater zu Besuch sind.“ Alma Mater für zahlreiche ausländische Offiziere? Klar, für etwa die Hälfte der Militärattachés bedeutet die Reise nach Hamburg eine Rückkehr an ihre ehemalige Ausbildungsstätte. Sie haben hier den internationalen Generalstabslehrgang (LGAI) besucht. Die Attachés aus der Schweiz und Österreich waren die einzigen deutschsprachigen Teilnehmer. Vertreter der einzelnen Nationen reichten von Albanien, Algerien oder Australien über China bis zu Venezuela. 

Neuigkeiten von der FüAk

Der Besuch der Gruppe der Militärdiplomaten startete mit einem Kurzvortrag über die Veränderungen an der FüAk. Der Kommandeur stellte heraus: „Die internationale Ausrichtung der Akademie, die sich durch den Besuch der ausländischen Lehrgangsteilnehmenden am LGAI zeigt, ist der beste Weg, um den militärpolitischen Herausforderungen in einer globalisierten Welt zu begegnen.“ Die FüAk habe zunächst einen Input-Auftrag, der beinhaltet, den Lehrgangsteilnehmern Wissen und Können mit auf ihren Karriereweg zu geben. Das sei der klassische Auftrag der FüAk. Es käme ein zweiter Auftrag hinzu: der Aufbau eines Think-Tanks. Hieraus ergibt sich auch ein Output-Auftrag. Dieser wird durch eine Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr (HSU) und einem bereits etablierten Ausbildungsgang, einem Lehrgang mit dem Abschluss eines Postdegree-Masterabschlusses, erfüllt. Durch diese Zusammenarbeit soll die bereits bestehende Expertise für Forschungsansätze noch nutzbarer gemacht werden.

Streitkräftebasis als Spinne im Netz

Der Inspekteur der Streitkräftebasis, Generalleutnant Martin Schelleis, stellte den ausländischen Militärattachés im Anschluss an die Worte des Kommandeurs die Streitkräftebasis der Bundeswehr vor. Hierbei handelt es sich um ein „netzwerkverbindendes Element der Bundeswehr, das alles aufnimmt und alles macht, was militärisch ist, jedoch nicht zu den Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe oder Marine oder zu den beiden Organisationsbereichen Sanitätswesen oder Cyber gehört“. Im Rahmen des Auftrags der SKB, der unter dem Motto „Führen-Koordinieren-Unterstützen“ zusammengefasst werden kann, hat die SKB 17 Aufgaben, die „von A wie ABC über die Bereiche Feldjäger, Logistik, national-territoriale Aufgaben, Reserve, Spitzensport, Übungskoordination bis Z wie zivil-militärische Zusammenarbeit“ reichen.

Dieser Auftrag ist insofern bedeutend, als in dem neuen Weißbuch alle Aufträge an die Bundeswehr gleichbedeutend nebeneinanderstehen. Damit tritt die Bedeutung Landes- und Bündnisverteidigung wie auch des Heimatschutzes wieder gleichrangig neben den Auftrag, die außen- und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit Deutschlands sicherzustellen. Und: Sicherheit und Stabilität im internationalen Rahmen zu fördern. Die Militärattachés folgten dem Vortrag mit großem Interesse.

Multinationale  Zusammenarbeit im Fokus

Für die SKB wird der multinationale Auftrag der Bundeswehr im Host-Nation-Support deutlich. Dahinter verbirgt sich ein Konzept, das dazu dient, Dienstleistungen der SKB für die Streitkräfte anderer Nationen zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise „leisten wir Hilfe und einen Beitrag zur Lösung kritischer Strukturen“, so General Schelleis. Diese „Multinationalisierung“ der SKB-Aufgaben wird beispielsweise im Aufbau eines Network für Logistic Hubs in Europe umgesetzt. Hierbei handelt es sich um eine Basis, die ausländischen Streitkräften zur Verfügung gestellt werden kann, um jede Nation mit Material und Personal zu bedienen.

Mit dem Blick hinter die Kulissen der SKB sowie der FüAk ging ein erkenntnisreicher Tag für die weltweit angereisten Offiziere zu Ende. Er stellte für die in Deutschland akkreditierten Attachés die erste Etappe ihrer Städtereise dar. Besuche bei Unternehmen stehen ebenso auf der Agenda wie viele weitere Dienststellen der Bundeswehr. Sie vervollständigen das runde Reise-Programm für die Militärattachés, um ihre Sicht auf Deutschland zu vertiefen. Ein Vorteil für die Kooperation auf beiden Seiten.

  

 

 


 

 


 

 

 

Autor: Silke Brand-Schoder; Fotos: Silke Brand-Schoder / Bundeswehr

Hamburg, 26.10.2017

Die Seminarteilnehmer nach getaner Arbeit

Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig von Bruno Schmitz (1913)

Visualisierungen in jeglicher Form

Gemälde von Gerard ter Borch (1648)

Beim bundeswehrgemeinsamen Führungskräftetraining

Gemälde von Gerard ter Borch (1648)

Mit bekanntem Spielzeug zum Erkenntnisgewinn

 

 

 

Wer möchte es nicht: Zeit haben und reflektieren können, ob das eigene Führungsverhalten zielführend gewesen ist. Momente dieser Art sind „Geschenke“ in einem sehr kurzlebigen und hektischen Umfeld. Sich als Führungskraft zu reflektieren, den eigenen Horizont erweitern, erfahren, wie „die Anderen“ ticken und sich gegebenenfalls neu kalibrieren: Darum geht es im bundeswehrgemeinsamen Führungskräftetraining für die Besoldungsebenen im Dienstrang Oberstleutnant. 
In diesem Modul bearbeitet das zukünftige militärische und zivile Spitzenpersonal aus allen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen der Bundeswehr führungsrelevante Themen mit teils bekannten, teils ungewöhnlichen Methoden. Das in vielen Durchgängen erprobte Konzept brachten Oberstleutnant Reinhard Beckmann von der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) und die Wissenschaftliche Direktorin Silke Brand-Schoder vom Bildungszentrum der Bundeswehr im März in Hamburg mit vielen eigenen Akzenten zum Einsatz.

Die Führungskraft im Mittelpunkt

Angenehm anders – so zeigte sich das Seminar gleich zu Beginn, denn mit einem Situations-Check läuft bereits die Vorstellungsrunde nicht wie sonst in der Bundeswehr üblich starr und stereotyp ab, sondern aufgelockert. Die Aufgabe, sich selbst als Führungskraft mit LEGO-Steinen zu bauen und den anderen Teilnehmenden vorzustellen, „ist ungewöhnlich, aber sehr aufschlussreich“, wie einer der Teilnehmer in der Reflexionsrunde formulierte. Er stellte zur Sicherheit klar: „Positiv Anders“. Selbst Pausen sind Teil des Konzeptes und dienen der Fortsetzung des Austausches in anderer Form und lockerer Runde. „Bei aller Themen- und Methodenvielfalt steht immer die Reflexion über die eigene Rolle als Führungskraft im Mittelpunkt“, zeigte Oberstleutnant Beckmann den roten Faden des Seminares auf.

Team- und Entscheidungsfindung mit Serious Play

Die preisgekrönte Führungskraft des Jahres 2030, die alte Zöpfe abgeschnitten und Lehmschichten durchdrungen hat, war die Vision, die mit der Methode LEGO Serious Play entwickelt wurde. „Ein gemeinsames LEGO-Modell hilft, einen gemeinsamen Zeichensatz zu schaffen. Auch Abstraktes wie ein Prozess kann damit begreifbar und beschreibbar gemacht werden“, fasste ein Teilnehmer seine Erkenntnisse zusammen. „Wir reden anhand des Modelles am Ende tatsächlich alle über das Gleiche“, meinte ein anderer erstaunt. Am Ende der lebhaften Debatten in den drei zivil-militärisch gemischten Teams folgte die banal klingende, den entstandenen Teamgeist gleichwohl verdeutlichende Feststellung: „So verschieden sind wir gar nicht, es geht uns um die gleichen Werte und Kernthemen.“

Breites Themenspektrum

Eingerahmt wurden die Gruppenarbeiten zu „Führung“ in wechselnder Zusammensetzung von Fachvorträgen aus den Bereichen Personalgewinnung und –management. „Jede Menge Erkenntnisgewinne über die jeweils andere Statusgruppe“, umschrieben die Teilnehmenden diesen Block in der abschließenden Feedback-Runde. Mit Themen wie „Unconscious Bias“, (unbewusste Verzerrungen/ Denkmuster), einem Kommunikationstraining oder Gesundheitsmanagement wurde das Portfolio um wichtige Bausteine ergänzt. Das Team-Teaching-Duo Beckmann / Brand-Schoder bespielte mit seinen unterschiedlichen Biografien, Geschlechtern und Sichtweisen selbst die Klaviatur der Vielfalt in der Bundeswehr. Das kam bei den Teilnehmenden sehr gut an. „Ein Lehrgang, den ich unbedingt weiterempfehle“, lautete am Ende der Woche das einhellige Fazit.

 

 


 

 


 

 

 

Frieden, Gewalt, Konflikt – Herausforderungen für eine zeitgemäße Politikgestaltung

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Bundeswehr / Online

Hamburg, 24.10.2017

"Non-Violence" Skulptur von Carl Fredrik Reuterswärd

 

Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig von Bruno Schmitz (1913)

Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig von Bruno Schmitz (1913)

 

Gemälde von Gerard ter Borch (1648)

Gemälde von Gerard ter Borch (1648)" Westfälischer Frieden"

 

Afghanistan - Auf der Suche nach einem Frieden

Afghanistan - Auf der Suche nach einem Frieden

 

 

Welt im Chaos – Frieden neu denken?  „Die Welt, wie wir sie gekannt haben, scheint aus den Fugen geraten. Muss unsere Vorstellung vom Frieden korrigiert oder gar neu erfunden werden?“ Diese und weitere Fragen stellten sich die 17 Teilnehmer des ausgebuchten Seminars „Frieden, Gewalt, Konflikt – Herausforderungen für eine zeitgemäße Politikgestaltung“, das an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) stattgefunden hat.

Das Spektrum der Seminarteilnehmer reichte von zehn militärischen über sechs Reservedienstleistende bis zu einer Teilnehmerin aus dem zivilen Bereich. Vier Tage haben sie sich mit den Herausforderungen rund um das Thema „Frieden“ beschäftigt und sind der Frage nachgegangen, mit welchen Konzeptionen eine den Frieden im Blick haltende Politik beachten muss.

Idee des Friedens

In einem ersten Abschnitt des von Dr. Sabine Jaberg, Dr. Cora Schenke und Dr. Alexander Mätzig angeleiteten Moduls haben sich die Teilnehmer zum einen mit der Idee des Friedens auseinandergesetzt und zum anderen mit dem Friedensbegriff. Die Gegenüberstellung des „Friedens“ zur „Sicherheitspolitik“ lässt anschaulich werden, welche Schwierigkeiten zum Verständnis bestehen, wenn sich zunächst Klarheit über den Begriff des Friedens verschafft werden muss. „Frieden“, so Jaberg, „beinhaltet zunächst eine soziale Komponente, die keine Gewalt beinhaltet. Demgegenüber lässt der Begriff ,,Sicherheit" durchaus eine Gewaltkomponente zu. Er trägt ein asoziales Element in sich.“  

Bewährte Friedensordnungen

Am zweiten Tag stand die Frage im Mittelpunkt, inwieweit die nach großen Kriegen gefundenen Arrangements als Friedensordnungen gesehen werden können. Dieses zeigen der Westfälische Frieden (1648) nach dem Dreißigjährigen Krieg und der Wiener Kongress (1815) im Anschluss an die Napoleonischen Kriege. Erwähnt werden müssen zudem die Friedensverträge von Versailles (1919/20) zur Beendigung des Ersten Weltkriegs und die Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg, die durch das Potsdamer Abkommen (1945) und die UNO-Charta (1945) entstand. Die Bedeutung von Verhandlungen oder kongressähnlichen Institutionen erörterten die Experten als wiederkehrende Konstanten.

Frieden bedeutet immer Arbeit

,,Frieden bedeutet Arbeit". Dieser Aspekt stand im dritten Abschnitt des Seminars im Mittelpunkt. Verdeutlicht werden konnte dieses unter anderem anhand des Dialogs zwischen den Weltreligionen. Im Hier und Jetzt sollen dabei Gemeinsamkeiten gefunden werden, ohne Unterschiede zu leugnen. Eine gute Basis für einen Dialog in wechselseitiger Anerkennung sei die goldene Regel, die jeder Weltreligion innewohne. Ihre wohl prominenteste Fassung lautet: „Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg‘ auch keinem andern zu“. Ob eine Arbeit am Frieden erfolgreich ist, ist nicht vorhersagbar, doch ermuntern gute Beispiele, wie Ruanda oder die Peacekeeping-Maßnahmen im Rahmen von UN-Missionen zeigen.

Kritik an wissenschaftlicher Perspektive

An drei Tagen wurden wissenschaftliche Betrachtungen des Friedens diskutiert. Am letzten Tag des Seminars wurde „Frieden“ als wissenschaftliches Thema und politische Herausforderung kritisch betrachtet. Auf diese Weise rundete ein starker Kontrapunkt das Seminar ab. Das Fazit lautet: Frieden muss nicht ganz neu erfunden werden. Jedoch sollten Diskurse zueinander neu geschüttelt, bestehende Ansätze kritisch gewogen und alternative Wege erkundet und gegebenenfalls beschritten werden. Den ausführlichen Bericht von Dr. Sabine Jaberg zum Seminar finden Sie hier: Link


 

 


 

 

 

Diplomatie als Mittel

Autor: Sebastian Hagen; Fotos: Bundeswehr / Online

Hamburg, 19.10.2017

General Hambach eröffnet die Informationslehrübung 2017

Die Welt zu Gast in Genf - UNO Sitz in Europa

Genaues Lagebild verschaffen: Zugführer weist ein

Professor Kodolitsch beim Vortrag

Das mobile Rettungszentrum der Sanitäter bereitet sich auf Verwundetentransport vor

Teilnehmer bei der Symposiumsarbeit

Highlight der Übung - Gefechtsschießen in Bergen

Diplomatischer Erfolg - Westfälischer Friede in Münster / Osnabrück

Das Clausewitz-Netzwerk für Strategische Studien e.V. (CNSS) hat sein diesjähriges Symposium mit dem Thema „Diplomatie als Mittel“ betitelt. Zahlreiche Teilnehmer aus Wirtschaft, Sicherheitspolitik und Wissenschaft haben daran teilgenommen. Begrüßt wurden die Teilnehmer von Flottillenadmiral Karsten Schneider, dem stellvertretenden Kommandeur der Führungsakademie. Das CNSS diskutierte über die historischen Entwicklungen, die Methoden und aktuellen Problematiken wie auch die denkbaren Handlungsfelder der Diplomatie. Der Münchener Politikwissenschaftler Professor Carlo Masala bereicherte das Thema aus politikwissenschaftlicher Perspektive.

Spontaner hochrangiger Besuch

Masala gewann die Aufmerksamkeit der Teilnehmer mit seinem Impulsvortrag während des festlichen Abendessens im Casino der Führungsakademie. Welchen Stellenwert das CNSS hier genießt, zeigte sich auch daran, dass General a.D. Hans-Lothar Domröse, der aus anderem Grunde an der Führungsakademie weilte, sich spontan der Abendgesellschaft des CNSS anschloss. 

Am Ende dieser sehr kurzweiligen Tage des Austausches und gemeinsamen Nachdenkens konnten mehrere Ergebnisse festgeschrieben werden: Zunächst: Diplomatie benötigt eine überlegte und abgestimmte Vorgehensweise, eine Strategie. Diese ist analog zur Clausewitz´schen Zweck-Ziel-Mittel-Relation zu betrachten. Auch die Diplomatie muss einen „Kriegsplan“ entwickeln, um effektiv wirken zu können. 

Desweiteren: Diplomatie benötigt Informationen zur Erfüllung ihrer Aufgaben. Hierbei spielen Nachrichtendienste und damit auch das Militär eine entscheidende Rolle. Zuweilen sind jedoch die verantwortlichen Entscheider wie auch die Öffentlichkeit nicht sofort in der Lage, alle Fakten nachvollziehen zu können. Das heißt: Regelmäßige Informationen sind notwendig, um alle Beteiligten "mitzunehmen".

Botschaften nicht mehr einzige Quelle

Die Botschaften als Einrichtungen und Institutionen verlieren zunehmend ihre Bedeutung als Informationsquelle der ersten und einzigen Quelle. An ihre Stelle treten Massenmedien, herausragende Persönlichkeiten und internationale Organisationen, die ihre eigene Diplomatie betreiben. Das verändert das "Geschäft" der Diplomatie in noch unbekannter Weise.  Die Diplomatie muss auch dann weitergehen, wenn ein Konflikt bereits unter Einsatz von Waffengewalt ausgetragen wird. Ebenso wie die Politik an sich, muss auch die Diplomatie stetig als Ausweg offen und zur Verfügung stehen.

CNSS in der Tradition eines Think-Tanks

In bester Think-Tank-Tradition sollen diese Ergebnisse in Form von Videos, Denkschriften und Thesen-Papieren ausgearbeitet und publiziert werden, um dringende Handlungsfelder zu benennen und Lösungsvorschläge anzubieten.

 

Weitere Informationen erhalten sie unter www.Clausewitz-Netzwerk.de

 

 

 

 

Autor: Philipp Lenske; Fotos: Philipp Lenske / Bundeswehr

Hamburg, 18.10.2017

General Hambach eröffnet die Informationslehrübung 2017

Brigadegeneral Thomas Hambach eröffnet die ILÜ 2017

Genaues Lagebild verschaffen: Zugführer weist ein

Im Gefechtsstand: Einweisung in die Lage

Das mobile Rettungszentrum der Sanitäter bereitet sich auf Verwundetentransport vor

Das mobile Rettungszentrum der Sanitäter bereitet sich auf Verwundetentransport vor

Highlight der Übung - Gefechtsschießen in Bergen

Ein Höhepunkt der Übung war das Gefechtsschießen in Bergen

Wie wirken die an Land operierenden Teilstreitkräfte im Einsatz zusammen? Welche Aufgabe hat die Streitkräftebasis? Wie sieht die Truppenpraxis aus? Um praktische Antworten auf Fragen dieser Art zu geben, haben rund 150 Soldaten und zivile Mitarbeiter der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) zwei Tage lang die alljährlich stattfindende Informationslehrübung (ILÜ) der Bundeswehr besucht. Diese dreiwöchige Großübung, die sich vor allem an den Führungskräftenachwuchs der Bundeswehr und an die Streitkräfte aus den Partnernationen wendet, fand auch in diesem Jahr in Munster/Bergen statt. Das deutsche Heer und die Streitkräftebasis haben mit etwa 2000 Soldaten ihre Einsatzfähigkeit vor gut 5.000 Besuchern demonstriert und dabei 100 Kettenfahrzeuge und 500 Radfahrzeuge eingesetzt. Von der Leistungsfähigkeit der eingesetzten Kräfte hat sich auch der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, einen Eindruck verschafft.

Lernen durch Erleben

,,Bereits theoretisch erlernte Inhalte mit Bildern und Erlebnissen zu versehen, um diese somit auch für den praktischen Teil anwendbar zu machen, ist das Ziel dieser Übung." Mit diesen Worten begrüßte der ehemalige Direktor Lehre der FüAkBw und jetzige stellvertretende Kommandeur des Logistikkommandos in Erfurt, Brigadegeneral Thomas Hambach, die Teilnehmer der ILÜ 2017. Er betonte die Wichtigkeit dieser Vorführung mit Blick darauf, die Lehre des Führungskräftenachwuchses zu optimieren. Ziel der ILÜ war es zugleich, den angereisten Bündnispartnern aus den Niederlanden und Polen sowie den Teilnehmern des internationalen Generalstabs- und Admiralstabsdienstlehrgangs der FüAkBw (LGAI) das Zusammenwirken und Handeln der deutschen Streitkräfte aufzuzeigen. 

Leben in der Lage: Phasen des Gefechts

An verschiedenen Stationen wurde der Weg von der Befehlsausgabe über die Durchführung bis hin zur Auftragserfüllung innerhalb einer vorgegebenen, fiktiven Rahmenlage dargestellt. Nach der theoretischen Einweisung, die an jeder Station erfolgt ist und dem Besucher die Lageentwicklung verdeutlicht hat, ging es über zum praktischen Teil der Übung. Dabei wurden die vier Operationsarten des Gefechts, Verzögerung, Verteidigung, Angriff und Stabilisierung detailliert erklärt und anhand von Darbietungen veranschaulicht.

Erlebnisse schaffen Erinnerungen

Am Ende führte die Teilnahme an der ILÜ bei den Übungsbesuchern zu einem Mehrwert für den militärischen Berufsweg, denn die praktische Anwendung vom Führungs- und Einsatzgrundsätzen ist durch einsatznahe Bilder verständlicher geworden. In jedem Fall verbleiben eindrucksvolle Bilder dieser Tage als Erinnerung.  Besonders für die Teilnehmer des Internationalen Generalstabsdienst- und Admiralstabsdienstlehrgangs der FüAkBw waren es sehr eindrucksvolle Erlebnisse in Munster. In diesem Sinne äußerte sich in seinen Dankesworten Oberstleutnant Imeda Gvrittishvili aus Georgien: ,,Im Namen des gesamten Lehrgangs bedanke ich mich bei allen Beteiligten, auf welches facettenreiche Portfolio aus Mensch und Material die deutschen Streitkräfte zurückgreifen können - das persönlich zu erleben ist für mich eine sehr eindrucksvolle Erfahrung.“

Gelebte Kameradschaft

Mit einem gemeinsamen Abend zum Abschluss endeten die beiden Besuchstage in Munster. Die Teilnehmer aus den verschiedenen Nationen diskutierten das gemeinsam Erlebte. Es ist das sichtbare Zusammenwachsen der Nationen, das den alljährlichen Erfolg der Informationslehrübung in Munster auszeichnet.


 

 

 

Autor: Michél Gallien; Fotos: Stefan Fritzsche

Hamburg, 11.10.2017

Gespanntes Zuhören…

Gespanntes Zuhören…

…bis es selbst ans Werk geht

…bis es selbst ans Werk geht

Erarbeiten eigener Konzepte

Erarbeiten eigener Konzepte

Vorstellung der Gruppenergebnisse

Vorstellung der Gruppenergebnisse

Wer hat nicht schon mal ein Projekt geleitet oder daran mitgewirkt? Aber wer ist tatsächlich auch auf eine solche Aufgabe zielgerichtet vorbereitet worden?

Kompetenzbasierter Ansatz

Im Modul „Projektmanagement“ stellen sich vierzehn Teilnehmer, die aus Soldaten und Zivilbediensteten der Bundeswehr bestehen, dieser Aufgabe an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw). Nach kurzer theoretischer Wissensvermittlung folgt schnell der „Sprung ins kalte Wasser“ und die Lehrgangsteilnehmenden müssen nun ein konkretes Projekt mithilfe der erlernten Managementmethoden erfolgreich zum Abschluss bringen. Das Selbst-Ausprobieren ist eine Methode der kompetenzorientierten Ausbildung. Lernen durch Machen und nicht Lernen durch Zuhören. Deswegen gilt es jetzt, in Kleingruppen ein Festival auf einer Burgruine zu planen. Zwei alte Freunde treffen sich, dem einen gehört eine Burgruine, der andere leitet eine Theatergruppe, aber keiner hat Zeit, diese beiden zusammen zu bringen. Hier springen die Lehrgangsteilnehmer ein.

Hausaufgaben gemacht?

In einer Woche werden neben der praktischen Anwendung die Basics des Projektmanagements vermittelt. Anschließend geht es in die zweite Phase des Moduls als Fernaufgabe: alle Lehrgangsteilnehmer müssen innerhalb von vier Wochen beweisen, dass sie das Gelernte situativ angepasst anwenden können. Ähnlich dem Burgruinenfestival gilt es dabei ein Projekt auf die Beine zu stellen, was es zukünftigen Start-Ups erleichtern soll, ein besseres Netzwerk zu gestandenen Unternehmen aufzubauen. Im Anschluss daran erlangen die Teilnehmer die „Basiszertifizierung im Projektmanagement“ an der FüAkBw.

Kooperation zwischen Führungsakademie und Universität

Der Modulleiter, Oberstleutnant Stefan Fritzsche, bekommt Unterstützung von Professor Dr. Hans Koller von der Helmut-Schmidt-Universität (Universität der Bundeswehr/ HSU) Hamburg. Koller hat 2009 die Anregung für diese Kooperation zwischen FüAkBw und HSU gegeben. Entgegen der grundsätzlichen Konzeption der postuniversitären Weiterbildung an der Akademie dürfen am Projektmanagement auch Studenten der HSU teilnehmen. Hier zeigt sich wieder einmal in einem kleinen Puzzlestück, wie gut die Vernetzung zwischen der FüAkBw und der HSU klappt.

Methodenkompetenz erlangt

Inzwischen werfen die Stichworte „Stakeholderanalyse“, „Ishikawa-Diagramm“ und „Matrix zur Zielverträglichkeit“ keine Fragen mehr auf. „Endlich“, sagt Oberstleutnant i.G. Maik Teichgräber vom Einsatzführungskommando in Potsdam, „ bekommt das Kind ein Namen! Viele Methoden haben wir schon oft angewendet, aber wir wussten nicht, wie sie heißen und worauf man besonders achten muss.“ Ganz selbsterklärend ist Projektmanagement also doch nicht. Für Fritzsche ist besonders wichtig, dass die Teilnehmer strukturiertes Wissen um Methoden mitnehmen, um sich als militärische und zivile Berater schnell auf neue Aufgaben einstellen zu können, weil sie das theoretische Wissen blitzschnell abrufen können.


 

 

 

Autor: Christiane Rodenbücher; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 10.10.2017

General Del Casale trägt sich ins Gästebuch ein

General Del Casale trägt sich ins Gästebuch ein

Italienische ,,Führungsakademie

Italienische ,,Führungsakademie" zu Besuch in Hamburg

Deutsch-italienische Freundschaft wird in Hamburg gelebt

Deutsch-italienische Freundschaft wird in Hamburg gelebt

Der Besuch von Generalleutnant Massimiliano Del Casale an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) war von viel Herzlichkeit sowie einem intensiven Austausch geprägt. Der Präsident der italienischen Einrichtung Centro Alti Studi per la Difesa (CASD), auf Deutsch Zentrum für höhere Verteidigungsstudien, hat mit großem Interesse zahlreiche Fragen gestellt, zum Beispiel nach dem Aufbau des Generalstabsdienstlehrgangs in Deutschland sowie dem Beginn und der Gestaltung der Phase, in der die Teilstreitkräfte in Deutschland gemeinsam ausgebildet werden.

Stationen in der Vita des Präsidenten

Die kenntnisreichen Fragen des Generals ließen auf seine vielen früheren Tätigkeiten schließen: Nach zahlreichen Führungsverwendungen als Grenadier im Heer war er wiederholt als Chef des Stabes in Auslandsmissionen der NATO beschäftigt. Del Casale hatte verschiedene Führungspositionen in Ausbildungszentren sowie im italienischen Verteidigungsministerium inne, bis er 2015 Präsident der höchsten militärischen Ausbildungseinrichtung in Rom wurde. Die 1949 gegründete Einrichtung untersteht (wie in Deutschland die FüAk) dem italienischen Generalstabschef. Im italienischen Äquivalent heißt das Pendant zum Generalstabsdienstlehrgang Istituto Superiore di Stato Maggiore Interforze (ISSMI). Der Kurs dauert neun Monate. Teilnehmer des ISSMI stammen aus allen Teilstreitkräften, außerdem kommen sie von der Finanzpolizei, den Carabinieri, der Gendarmerie Italiens sowie aus anderen Ministerien.

Reger Austausch, intensive Gespräche

„Mir liegt besonders am Herzen“, betont Konteradmiral Stawitzki, „die Bande zu anderen militärischen Akademien zu stärken, daher freue ich mich sehr über den Besuch von General Del Casale und seinem Team.“ Im Vordergrund steht für den Akademiekommandeur, noch besser zu verstehen, wie die Institutionen anderer Nationen arbeiten. Außerdem soll der Informationsaustausch gefördert werden. Darüber hinaus nutzt Admiral Stawitzki stets die Möglichkeit, mehr über die Ausgestaltung von Äquivalenten des Masterstudiengangs Militärische Führung und Internationale Sicherheit (MFIS) zu erfahren. Nach einem ersten Kennenlernen jüngst in London ist damit nun kurze Zeit später der erste ausführliche Besuch erfolgt.

 

 

 

Woher wir kommen

General Del Casale erhielt von Oberst i.G. Martin Simberg, Leiter Ausbildungsprozessmanagement, einen Einblick in die Geschichte der FüAk. Die Namensgeber der zwei Kasernen wurden erwähnt, das Konzept der Inneren Führung erläutert. Simberg ging auf die neue Struktur der FüAk mit den Schwerpunkten Ausbildung und Training sowie Strategie und Fakultäten ein. Er erläuterte die Aspekte der Lehre von den Teilstreitkräften über Politik und Soziologie bis zu den Konzepten verbundener Operationen. 500 Personen aus mehr als 60 Nationen sind immer an der FüAk präsent. 3000 Studenten pro Jahr nehmen diverse Aus- und Fortbildungsangebote in mehr als 80 Kursen wahr.

Aktuelle Konzepte der Ausbildung

Simberg erklärte das Konzept des lebenslangen Lernens sowie der kompetenzorientierten Ausbildung. „Risiken, Herausforderungen, Bedrohungen: Diese Parameter prägen die heutige komplexe Welt, darauf müssen wir unser Top-Führungspersonal von morgen vorbereiten.“ Besonders zu bedenken ist dabei: „Die Offiziere kommen mit einem breiten Erfahrungshintergrund zu uns, sie haben schon viel Expertise in der Truppe gesammelt und ein Studium absolviert. Diese Erfahrung wollen wir erkennen, fördern und im Rahmen unserer künftigen Denkfabrik nutzen.“ Mit großem Interesse hat General Del Casale auch die Ausführungen zum internationalen Generalstabslehrgang verfolgt. Das Konzept der FüAk, Wissen über den grundsätzlichen Aufbau deutscher Streitkräfte an internationale Lehrgangsteilnehmer zu vermitteln, deutsche Prozesse im politisch-parlamentarischen Raum sowie den Ansatz vernetzten Handelns zu erklären, hat er sehr aufmerksam wahrgenommen.

Brücke zwischen Akademie und Uni

Den Ausführungen von Jörn Thießen, Leiter Politik- und Gesellschaftswissenschaften, lauschte der italienische General gespannt. Thießen erklärte in einem mitreißenden Vortrag die immense Bedeutung des bereits erwähnten Masterstudiengangs MFIS: „Das ist eine der wichtigsten Brücken zwischen der FüAk, der Helmut-Schmidt-Universität und der Öffentlichkeit. Es hat acht Jahr gedauert, bis wir dieses unglaublich große Potenzial zum Leben erwecken konnten.“ Der MFIS sorgt laut Thießen für die Verbindung der Welten Militär und akademisches Wissen. „Hier besteht eine riesige Chance, mit einem gemeinsamen Auftrag die Wege beider Institutionen zusammen zu führen.“

Rom-Besuch bereits geplant

Abschließend betonten der General und der Admiral beider Akademien die Wichtigkeit realitätsbasierter Szenarios für die Vorbereitung des militärischen Top-Führungspersonals von morgen. Darüber hinaus waren sich beide einig: Jede Ausbildungseinrichtung kann und muss sich ständig weiter entwickeln. Um diese Ziele gemeinsam zu verfolgen und diesen guten Draht zueinander weiter auszubauen, haben sich beide auf einen Gegenbesuch in Rom schon in wenigen Wochen verständigt.

 

 

 

 

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Katharina Junge

Hamburg, 06.10.2017

Teilnehmer des 18. LGAN mit dem Kommandeur der FüAKBw, Konteradmiral Carsten Stawitzki

Teilnehmer des 18. LGAN mit ihren Ehepartnern und dem Kommandeur der FüAKBw, Konteradmiral Carsten Stawitzki

 

Interessiertes Publikum

Vortrag über aktuelle Neuigkeiten an der FüAk

 

 Kranzniederlegung zu Ehren der Verstorbenen

Kranzniederlegung zu Ehren der Verstorbenen mit Generalleutnant a.D. Friedrich Riechmann (1.v.l.)

 


Bei der Ansprache an die Lehrgangsteilnehmenden

Bei der Ansprache an die Lehrgangsteilnehmer

 

Es liegt 40 Jahre zurück, dass sich die Teilnehmer des 18. Lehrgangs der Generalstabs- und Admiralstabsoffiziere National von der Führungsakademie der Bundeswehr  am 30 September 1977 verabschiedet haben und in ihre entsprechenden Tätigkeiten gerufen worden sind. In diesem Jahr traf sich ein großer Teil des damaligen Lehrgangs zusammen mit ihren Ehefrauen an der Führungsakademie. Der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, begrüßte die 31 Teilnehmenden im Moltke-Saal der Clausewitz-Kaserne. In seiner Begrüßungsansprache nahm der Kommandeur die Besucher mit in die Gegenwart der aktuellen Fragestellungen zum Traditionserlass und zur Führungsakademie.

Von Mürwik bis zur neuen Struktur

„Wenn eines passen würde, dann das Bild meiner alten Kadettenschule in Mürwik“, so der Kommandeur vor den Besucherinnen und Besuchern im Hinblick auf die Darstellung einer Traditionslinie, „denn dieses Gebäude sei das einzige, was seit der Kaiserzeit ununterbrochen im Dienst der Marine gestanden habe und bis heute steht.“ Damit war der Kommandeur bereits bei seinem Thema, denn wenige Wochen zuvor hat die Bundesministerin der Verteidigung, Ursula von der Leyen, den ersten Workshop zur Überarbeitung des Traditionserlasses in der Bundeswehr eröffnet.

Die drei Peillinien der Bundeswehr

Die Bundeswehr habe drei Peillinien, was dem Vorgehen eines Seemanns entspräche, um einen genauen Standort anzupeilen: Man benötige drei Peilungen, jedoch ist das Fehlerdreieck immer noch ungenau zur Standortbestimmung. So verhält es sich auch mit der Bundeswehr: Die drei Peillinien der Tradition der Bundeswehr sind die preußischen Reformer, die Personen um den 20. Juli 1944 sowie die eigene Geschichte der zurückliegenden 60 Jahre Bundeswehr. Er, der Kommandeur, verstehe den Auftrag für die FüAkBw so, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und dabei keinen Hochmut, jedoch auch keine Demut zur Leitfigur des eigenen Handelns zu machen. In beiden Worten stecke aber das Wort „Mut“. Und mit Mut wird auch der Auftrag der FüAkBw umgesetzt, der aus drei Bausteinen bestehe: aus der Basisqualifikation, aus der Elitenqualifikation zur Heranbildung einer Verantwortungselite des Staatsbürgers in Uniform und schließlich noch aus den Modulen mit ihren Lehrangeboten zur Weiterbildung.

Der bestehende Auftrag der FüAkBw

Geht man vom Auftrag der FüAkBw, der von der BM´in der Verteidigung im November letzten Jahres erweitert worden ist, aus, so steht die FüAkBw auf zwei Säulen. Zum einen ist dies die Ausbildung von Führungspersonal/ Führungskräften und zum anderen die Strategieberatung. Bei ersterem Aspekt geht es um die Frage, mit welchen Führungskenntnissen ein zukünftiger Kommandeur, auch der zukünftige Akademiekommandeur, ausgestattet sein muss, damit er auch in 20 Jahren seinen Auftrag erfüllen kann. Neue Ausbildungsfelder werden die bestehenden ebenso ergänzen wie die Einführung der kompetenzorientierten Ausbildungsmuster. 

Der erweiterte Auftrag der FüAkBw

Im zweiten Teil geht es um die Wissenschaft. Die Akademie ist in einem Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Praxis. Damit sie den Output-Auftrag der Beratung für die Ministerien und die Bundesregierung erfüllen kann, erhielt die FüAkBw den Auftrag zum Ausbau eines Think-Tanks. Dieser Think-Tank wird dabei nicht allein die Akademie bilden. Die Beratungsexpertise wird in Zusammenarbeit mit der Helmut-Schmidt-Universität gebildet. Bereits heute können die Absolventen der nationalen Generalstabs- / Admiralitätsstabslehrgänge den Abschluss eines "Masters für Militärische Führung und internationale Sicherheit" (MFIS) erwerben. Für Admiral Stawitzki ist die FüAkBw einem Ginko-Blatt vergleichbar. Getreu nach Goethe: „Wir sind zwei und doch eins.“

Ein reicher Tag ging zu Ende

Eine Kranzniederlegung zum Gedenken an die bereits verstorbenen Lehrgangsteilnehmer sowie ein Vortrag von Oberst i.G. Frank Schmidt zum Auftrag und Gliederung des Bereiches Heer an der Führungsakademie, der Lehre Landstreitkräfte sowie den aktuellen konzeptionellen Herausforderungen zur Weiterentwicklung des Heeres beendeten den bereichernden Besuchstag der Teilnehmer des 18. LGAN national.

 

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Katharina Junge

Hamburg, 04.10.2017

Generalleutnant Perry Lim, Chief of Defense von Singapur

Generalleutnant Perry Lim, Chief of Defense von Singapur

Generalinspekeur Volker Wieker beim Eintrag ins Gästebuch

Generalinspekeur Volker Wieker beim Eintrag ins Gästebuch


v.li.: Konteradmiral Carsten Stawitzki, Generalleutnant Perry Lim, General Volker Wieker

v.li.: Konteradmiral Carsten Stawitzki, Generalleutnant Perry Lim, General Volker Wieker

 

Eintauchen in die Lage Südostasiens - Besuch des Chief of Defense von Singapur

Mit dem Besuch von Generalleutnant Perry Lim Cheng Yeow, Chief of Defense von Singapur, an der Führungsakademie der Bundeswehr, hat die Führungsakademie den Blick nach Südostasien gerichtet. Der in Begleitung von General Volker Wieker, Generalinspekteur der Bundeswehr, nach Hamburg gereiste Chef der Verteidigungskräfte Singapurs hielt vor den Lehrgangsteilnehmenden der Lehrgänge des Generalstabs- und Admiralstabsdienstes international (LGAI 2017) und national (LGAN 2016) einen Vortrag über die Verteidigungsstrategie Singapurs. Seit August 2015 steht Perry Lim den Streitkräften seines kleinen Commonwealth-Mitgliedsstaates vor.  

Sicherheitspolitische Lage eines kleinen Landes

General Lim nimmt seine Zuhörer mit in die sicherheitspolitischen Herausforderungen des Stadtstaates an der Spitze der Malaiischen Halbinsel. Wenngleich die Bevölkerung nur 5,6 Millionen Menschen beträgt, so stellt Singapur doch eine militärische Macht in der süsdostasiatischen  Region dar. Die Wirtschaftsleistung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, beträgt mit etwa 300 Milliarden USD etwa ein Zehntel der von Deutschland. Doch gibt Singapur jährlich 3,4 % seines BIP für die Singapur Arme Forces aus. Die Streitkräfte der Republik umfassen drei Teilstreitkräfte. Neben dem Heer, das über etwa 50.000 aktive Soldaten und eine Reserve von 170.000 Mann verfügt, besteht die Marine, in der etwa 4.500 Soldaten dienen. Die Luftwaffe Singapurs ist die jüngste der drei
Teilstreitkräfte und wurde erst nach dem Rückzug der Royal Air Force im Jahre 1968 aufgestellt. In Ihr leisten 6.000 Soldaten ihren Dienst.

Total Defense-Strategie - jeder Bürger muss ran

Singapurs Verteidigung orientiert sich mit der „Total Defense“-Strategie an der von Österreich, Schweden und Dänemark. Die 1984 etablierte Strategie bedeutet die Vernetzung sämtlicher Lebensbereiche zur Abwehrbereitschaft des Staates und beruht auf fünf Säulen. "Military Defence" wird durch die Singapore Armed Forces (SAF) sichergestellt, deren Auftrag darin besteht, Singapurs Sicherheit und Frieden durch Abschreckung und Diplomatie zu gewährleisten. Umgesetzt wird derzeit die Militärdoktrin der sogenannten dritten Generation für die SAF. "Civil Defence" umfasst die Vernetzung sämtlicher ziviler Bereiche. Durch diese Säule der Strategie werden die Einwohner Singapurs zu jeder Zeit darauf vorbereitet, was sie im Falle einer Verteidigungssituation zu tun haben. Unterstützt wird dieser generelle Ansatz durch die Singapore Civil Defence Force (SCDF). Die SCDF bildet Zivilpersonal in Erster-Hilfe aus oder trainiert Rettungs- und Evakuierungsmaßnahmen mit den Einwohnern. "Economic Defence" umfasst die Erhaltung der wirtschaftlichen Strukturen und der Wirtschaftsleistung des Staates. Darunter wird in Singapur, so General Lim, auch verstanden, die Konkurrenzfähigkeit des Staates ebenso sicherzustellen wie die Sicherung von Zielen des Umweltschutzes. Lim führte aus, dass es im Kern darum geht, dass Singapurs Wirtschaft in Zeiten einer Krise nicht zusammenbricht.

Harmonisches Zusammenleben und Loyalität zum Staat sind Strategie

„Der "Social Defence" komme", so Lim weiter, „die größte Bedeutung zu, denn sein Land lebt unter der Herausforderung, eine multi-ethnische, multi-kulturelle und multi-religiöse Gesellschaft zu sein“. So ist die Sicherung eines harmonischen Zusammenlebens wichtig, da diese erst die vollumfängliche Verteidigungsbereitschaft zulässt.  "Psychological Defence" ist die letzte der fünf Säulen. Hierunter wird in Singapur das klare Committment der Bevölkerung zum Staat Singapur verstanden. Diese Loyalität ist die Basis, um einem Angreifer Widerstand leisten zu können und für den kleinen Staat einstehen zu wollen.

Singapurs Einflussstärke in der Region

In der abschließenden Diskussion mit den Lehrgangsteilnehmenden bewertete der Besucher aus Fernost noch einmal die Bedeutung seines Landes für die Region. „Gewiss“, so der Generalleutnant, „Singapur ist ein kleines Land“. Doch nähme es Einfluss in der Region durch das Fünf-Mächte-Verteidigungsbündnis, dass neben Singapur auch Großbritannien, Australien, Neuseeland und Malaysia umfasse. Singapur unterstützt die Asien-Pazifik-Politik der Vereinigten Staaten. General Lim betonte, dass Singapur seit langem Teilhabe an den humanitären Hilfsmaßnahmen wie auch an den Friedensmissionen der Vereinten Nationen hat. Die Bindungen zwischen der FüAkBw und Singapur sind eng. Dieses zeigte nicht nur der Besuch des Chief of Defense der Republik Singapur, sondern auch daran, dass die FüAkBw regelmäßig auch Offiziere der Singapur Armed Forces ausbildet. Diese lebendige Beziehung nach Singapur wurde durch den Besuch von Generalleutnant Lim noch einmal gefestigt.

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