Lehrdeputat

An der Führungsakademie der Bundeswehr bringen Spitzenführungskräfte aus allen Bereichen der Streitkräfte ihre Expertise in unterschiedlichen Formaten in die Lehre ein.

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Alumni

Die Führungsakademie der Bundeswehr ist traditionell international stark vernetzt. Weltweite Kooperationen sind die Basis unseres Beitrages zur Völkerverständigung.

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Master: MFIS

Die Führungsakademie der Bundeswehr bietet ihren Lehrgangsteilnehmern in Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität einen international anerkannten Masterabschluss:

„Militärische Führung und Internationale Sicherheit“

Dialog

Als Begegnungsstätte für den offenen Dialog aller gesellschaftlicher Gruppen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene trägt die FüAkBw zur Friedensicherung und Völkerverständigung bei.

Der Hamburger Diskurs

Hochrangiger NATO-General zu Besuch an der Führungsakademie

Autor: Inka von Puttkamer; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 13.12.2017

Sir General James Everard beim Eintrag ins Gästebuch der Führungsakademie

General Everard im Gespärch mit General Wieker und Konteradmiral Stawitzki

 Das Auditorium lauscht gebannt dem Vortrag

Lebhafte Diskussion: General Everard stellt sich den Fragen der Lehrgangsteilnehmer

Konteradmiral Stawitzki übergibt die Münze der Führungsakademie zur Erinnerung

Ergiebige Gespräche: die beiden Generale freuen sich über den lebendigen Austausch


 

 

 

 

„It’s an early Christmas present to be here!“ Mit diesem Worten leitet Sir General James Everard, der stellvertretende „Supreme Allied Commander Europe“ aus dem NATO-Hauptquartier in Mons/ Belgien, seinen Vortrag an der Führungsakademie der Bundeswehr ein. Gemeinsam mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, ist er an die Akademie gekommen, um einen aktuellen Sachstand über die NATO zu geben und vor allem mit den jungen Offizieren - „the generation, that matters“ wie er sagt - zu diskutieren. Everard ist dabei nicht auf unbekanntem Terrain. Bereits drei Mal war er in Deutschland stationiert, wenn auch jedes Mal durch so viele Auslandseinsätze geprägt, dass kaum Zeit für Landeskunde übrig blieb. Mit einem Lob auf die Weihnachtsmärkte und einer Äußerung über die deutsche Bahn wies der General sich dennoch als wohlwissender Insider aus und hatte das Publikum gleich auf seiner Seite.

„Goodness doesn’t come for free“

Everards Vortrag ist durch viele Zitate gekennzeichnet. Er zieht bekannte (Clausewitz, Hobbes) und unbekannte Autoren (Kirchick, Rackham) heran, um klarzumachen, dass Lesen für den Geist das gleiche wie Sport für den Körper ist. Zunächst legt er ein paar Grundlagen: Die Ausgaben für das Militär sind in den letzten 20 Jahren fast überall gekürzt worden. Wir befinden uns in den sichersten und besten Lebensumständen, die es jemals gab. Die Armut auf der Welt ist stark zurückgegangen. Gleichzeitig ist in Europa festzustellen, dass Medienmanipulation, die Instrumentalisierung der Meinungsfreiheit und die Rückkehr zu einem neuen Nationalismus in sehr vielen Ländern zu einer Gesellschaftsspaltung führen. Er treibt diesen Gedanken auf die Spitze: „No friends, only interests.“ Hier kommt für ihn die NATO ins Spiel. „NATO is usually like vegetables for a child: not what you want, but what you need“, sie sei für permanentes Krisenmanagement zuständig, zusammen mit den anderen großen Organisationen steht sie für die Garantie von Demokratie, Recht und Freiheit.

„Cohesion of the Alliance“

Mit Jens Stoltenberg zitiert er den Generalsekretär, für den es keine größeren Herausforderungen für die NATO seit Ende des Kalten Krieges gab als jetzt. Die Herausforderungen ordnet er geografisch zu: Russland, China, Naher Osten, Nordafrika. Everard betont, dass Russland ein Dialogpartner, ein „strategic competitor“ ist. Die Stärken der NATO betont der General mit der Fähigkeit, aktuell zu bleiben, sich an Entwicklungen anzupassen und mit der Konsensfähigkeit. 29 Staaten, die ihn immer wieder finden. Die NATO sei ein verlässliches Bündnis, da sie grade keine Koalition, sondern viel stärker, eine Allianz, ist. Weiter stellt Everard den 360-Grad-Ansatz des Bündnisses heraus, also den allumfassenden Blick auf die Dinge. Was ihn wirklich umtreibt? Die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung. Das könnte manchmal schneller gehen. Und der Zusammenhalt aller Staaten. Man muss viel Kompromissbereitschaft zeigen.

Vielseitige Herausforderungen

Hier findet bereits eine lebhafte Diskussion statt. Ob die Rückkehr zum Nationalismus Auswirkungen auf die NATO habe? Grade hier hilft das Bündnis, so Everard. Verschiedene Ziele müssen in Balance gebracht werden, mit der 360-Grad-Perspektive werden alle Blickwinkel genutzt und er sagt, die NATO sei „remarkably robust“, weil sich alle Chiefs of Defense respektvoll begegnen und schätzen. Die Koexistenz verschiedener Ansichten müsse erlaubt sein. Auf Libyen angesprochen, sind sich der britische und der deutsche General einig: das Militär alleine ist keine Lösung, sondern die letzte Eskalation. Auf welchem Gebiet sieht Everard zukünftige Herausforderungen? Bei hybriden Bedrohungen. Für ihn ist noch keine Nutzung des Artikels 5 des NATO-Vertrages bei einer solchen Gefahr absehbar. Hier wird es in Zukunft Lösungen geben müssen.

„War is shaped by human nature“

Speziell für das Publikum aus jungem Führungspersonal hat Sir General Everard noch ein paar Anmerkungen zu guter Führung. Hier kommt der Botaniker Oliver Rackham ins Spiel: „Do not play god“. Er hat kernige Sätze auf Lager, die eingängig sind. Man solle wissen, für wen man arbeitet und wer für einen arbeitet („Know who you work for and who works for you“). Diese Menschen seien es wert, auch gefördert zu werden. Mit Clausewitz sagt er, dass wir alle dafür bezahlt werden, Entscheidungen zu treffen und dies damit eine Pflicht sei. Dennoch solle man sich immer wieder selbst prüfen. Dass Einfallsreichtum gefragt sei, erklärt er simpel damit, dass der Strom nicht durch ständige Verbesserung von Kerzen erfunden wurde. Weiterhin gibt er den Offizieren mit, dass sie sich vor ihrer Verantwortung nicht scheuen, menschliche Beziehungen durchdringen und ihre Gedanken auch gut zum Ausdruck bringen können sollen.

First-hand information

Am Ende seines vielschichtigen Vortrages sind die Erwartungen, die der Akademiekommandeur, Konteradmiral Carsten Stawitzki bei seiner Begrüßung geäußert hat, mehr als wahr geworden: Everard lieferte authentische Informationen aus erster Hand.

 


 

 

 

Aktuelles

Jahresempfang Marine 2017 - Führungsakademie und Gesellschaft im Dialog

Autor: Stefan Berger; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 12.12.2017

Kapitän zur See Straus begrüßt die Gäste des Jahresempfangs der Marine

Die Uniform verbindet - nationale und internationale Marineuniformträger sind zahlreich vertreten

 Die Jazz-Combo des Marinemusikkorps Kiel sorgt für anregende musikalische Unterhaltung

 Zivile und militärische Besucher im regen Austausch


 

 

 

 

Das Jahrestreffen der Marine hat traditionell einen festen Platz im Veranstaltungskalender der Führungsakademie. Seit Beginn dieser Veranstaltungsreihe ist es das Forum für den offenen Austausch über aktuelle Themen des maritimen Soldatenberufs. Auch in diesem Jahr fand sich wieder neben allen Trägern des „blauen Tuches“ aus den verschiedenen Lehrgängen und Nationen an der Führungsakademie und dem Stammpersonal eine Vielzahl von Gästen und Freunden aus Militär, Gesellschaft und Wirtschaft zum Meinungsaustausch im Beck-Saal ein.

Zivil-militärischer Austausch

„Für uns Marinesoldaten an der Führungsakademie ist dieser Abend wertvoll und wichtig“, betonte der Gastgeber, Kapitän zur See Henning Straus, Fakultätsleiter Marine und Beauftragter des Inspekteurs der Marine an der Führungsakademie der Bundeswehr. „Es ist eine der wenigen Gelegenheiten, sich einmal außerhalb des dienstlichen Rahmens zu treffen, um interessante und weiter bildende Gespräche zu führen.“ Gerade die Führungsakademie der Bundeswehr hier in Hamburg sei dafür besonders geeignet, stellte der Leiter der Fakultät Marine weiter fest: „Existieren hier doch nicht nur theoretische Vorstellungen zu zivil-militärischen Beziehungen, sondern wie hier deutlich sichtbar auch praktische Umsetzungen.“

Markenbotschafter

Mittlerweile schon traditionell unterstützt wurde der Empfang auch in diesem Jahr durch die Jazz-Combo des Marinemusikkorps Kiel unter der Leitung von Oberstabsbootsmann Jens-Peter Glau. So zielten an diesem Abend auch viele der geführten Gespräche auf die so genannten „Botschafter aus der Gesellschaft“ ab Auf die Reservedienstleistenden, Unternehmer oder Angehörige aus anderen Ressorts des öffentlichen Dienstes. Mit ihrer Fachexpertise fördern und unterstützen sie die aktuelle Ausbildung der Marineoffiziere an der Führungsakademie durch Kooperation und Wissensaustausch.

Offen der Zukunft entgegen

„Durch die Zusammenarbeit mit anderen, so wie wir es seit Jahren erfolgreich praktizieren, gewinnt unsere Bundeswehr täglich an Gestaltungskraft hinzu“, stellte Straus fest. So ist mit der Bundeswehr eine moderne Armee entstanden, die einzigartig ist. Ihre Traditionen und Werte gilt es zu wahren. In diesem Sinne arbeitet auch die Fakultät Marine hier an der höchsten militärischen Ausbildungsstätte der Bundeswehr weiter an der Professionalisierung und einer zeitgemäßen Ausbildung für die zukünftigen Generalstabs-/Admiralstabsoffiziere mit.

Veränderungsbereitschaft

Dazu bedarf es jedoch laut Straus bei allen der Offenheit, Veränderungsbereitschaft und eines zukunftsorientierten Bewusstseins, ohne voreilig alles vermeintlich Alte oder Überholte über Bord zu werfen. Die Gäste genossen bei erstklassiger Musik anregende Gespräche sowie eine hervorragende Küche – ein inspirierender Abend für alle Beteiligten. Damit hat die Fakultät Marine den Angehörigen der Führungsakademie sowie ihren Gästen den Abschluss des Jahres würdig ausklingen lassen.

 


 

 

 

Stimmungsvolle Adventsfeier im Freien

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Christiane Rodenbücher

Hamburg, 08.12.2017


 

 

 

 

 

 

Dunkelheit in den frühen Abendstunden. Fackeln tauchen den Festplatz in der Clausewitz-Kaserne in eine adventlich-feierliche Atmosphäre. Sterne und Weihnachtsbeleuchtung. Die leicht fröstelnden Temperaturen sorgen für eine winterliche Stimmung. Die Angehörigen der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) und ihre Gäste sind zur Adventsandacht mit einem anschließenden adventlichen Beisammensein zusammen gekommen.

Begrüßt wurde die Gemeinschaft durch Konteradmiral Carsten Stawitzki, der gleich zu Beginn und noch vor seiner Rede alle militärischen Angehörigen antreten ließ, um Oberstleutant i.G. Christian Musche zum Oberst i.G. zu befördern. Mit einem dreifachen „Hurra“ wurde er in seinen neuen Dienstgrad entlassen.

In seiner in deutscher und englischer Sprache gehaltenen Ansprache rief der Kommandeur dazu auf, Mut zur Entschleunigung zu haben. „Alles hat seine Zeit“, so der Admiral. „Und wenn sich in diesen speziellen Tagen des Jahres einmal mehr die Dinge wieder beschleunigen, wenn wir mit Blick auf die aktuelle Nachrichtenlage vom Nahen Osten bis nach Ostasien nicht zur Ruhe kommen, sollten wir gerade jetzt versuchen, uns zu entschleunigen, Ordnung in den eigenen Gedanken zu schaffen, eben einmal tief durchatmen.“

Halt durch festes Wertefundament

Er appellierte an die Anwesenden, sich des Wertefundaments, auf dem wir stehen, immer wieder zu vergewissern, denn dieses sei ein nie endender Auftrag. „Denn nur, wer auf einem festen Fundament steht, kann sich selbst, gerade aber auch anderen Halt geben“, so der Kommandeur. Er legte dar, dass das Wertefundament, welches unsere westliche Gesellschaft trägt, untrennbar mit dem Zeitalter der Aufklärung verknüpft ist. In dieser Zeit schrieb Gotthold Ephraim Lessing in der Stadt der FüAk sein letztes Drama „Nathan der Weise“, das aus einem Streit mit dem Hauptpastor der über 760 Jahre alten Hamburger Hauptkirche St. Katharinen zu Hamburg entstanden ist. Der in diesem Drama zum Ausdruck gebrachte Auftrag zu Respekt und Toleranz, zur Achtung der Freiheit und des Individuums, ist heute aktueller denn je.

Was unsere Gesellschaft trägt

Alle diese Grundlagen stellt die Präambel des Grundgesetzes fest. „In der Verantwortung vor Gott und den Menschen … alles das trägt unsere Gesellschaft, und gerade unsere Aufgabe ist es eben auch“, sagte der Kommandeur. „Genauso in der aktuellen Diskussion um die eigene Tradition und das Selbstverständnis der Bundeswehr: Da geht es nicht darum, vermeintlich leicht verständliche Grundsatzregeln aufzuschreiben, sondern es geht vielmehr darum, Geschichte mit Geschichten zu erzählen, zu erklären und begreifbar zu machen, um damit auch Halt zu finden und Halt zu geben.“ Auf diese Weise hat es Lessing am Ende des Disputes mit Nathan dem weisen getan.

Die Gäste des DSACEUR

Besonders begrüßt hat der Kommandeur die anwesenden Gäste des Deputy Suppreme Allied Commander Europe, des stellvertretrenden NATO-Oberbefehlshabers in Europa. Bei dieser Gelegenheit ist der Kommandeur besonders auf einen großen Freund der Führungsakademie, Brian Leakey, den Leiter der US-Delegation aus Leavenworth, eingegangen. Dieses Jahr jährte sich sein Einsatz für die Kontinuität dieses seit 1966 bestehenden Austausches der FüAk mit der vergleichbaren Akadmie der US Army zum letzten Mal. Mit einem Geschenk über Claus von Clausewitz, der sich zu seiner Zeit ebenfalls für anregende Dialoge einsetzte, wurde er auf seine Reise zurück in seine alte Heimat verabschiedet.

Gemütliches Beisammensein

Eine Adventsandacht, die der evangelische Militärdekan Pastor Dr. Hartwig von Schubert hielt und die eingerahmt war von englischen und deutschen Adventsliedern, beendeten den offiziellen Teil des Abends im Freien. Aufgebaut war ein kleiner Weihnachtsmarkt. In diesem festlichen Umfeld hat die Abendgesellschaft im Anschluss daran noch die Gelegenheit wahrgenommen, sich bei einem Glühwein, einer Grillwurst oder einer Suppe auszutauschen, zu singen und zu lachen. Ein kameradschaftlicher Abend, der lange in Erinnerung bleiben wird, ging zu Ende.

 

 

 

 

 

Trilaterales Immobilien - Fachgespräch in Hamburg

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 07.12.2017

Die drei Delegationen des trilateralen Fachgespräches

Generalleutnant Norbert Gehart, Konteradmiral Carsten Stawitzki, Ministerialdirgentin Alice Greyer-Wieninger, Martin Stocker (v.l.n.r.)

Eine gelebte Tradition: In der letzten Novemberwoche haben sich die Delegationen aus Deutschland, Österreich und der Schweizerischen Eidgenossenschaft erneut zu ihrem regelmäßigen Treffen und zum Austausch über die Themen Immobilienmanagement, Umweltschutz und Dienstleistungen getroffen. Dieses Mal an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg. Die hochkarätig besetzte Gruppe wurde auf der letzten Etappe ihres Besuchsprogramms von Konteradmiral Carsten Stawitzki begrüßt. Nach einem Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie und einem kurzen Einführungsstatement durch den Kommandeur hat Oberst i.G. Martin Simberg die Besuchsdelegationen in einem prägnanten Vortrag über den Auftrag und die aktuelle Situation der Führungsakademie der Bundeswehr informiert. Ausführlich ist er auf die Erweiterung der FüAk mit der Neugliederung und die Weiterentwicklung der Führungsakademie zu einer Denkfabrik eingegangen. Auch die Umsetzung neuer Akzente in der Lehre, wie die Kompetenzorientierte Ausbildung, nahm einen wichtigen Stellenwert ein.

Langes Tagungsprogramm

Die diesjährige Gastgeberin des Treffens war Ministerialdirigentin Alice Greyer-Wieninger, Abteilungsleiterin Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen (IUD) am Bundesministerium für Verteidigung, mit weiteren Delegationsmitgliedern des BMVg. Die österreichische Delegation wurde von Generalleutnant Norbert Gehart, Leiter der Sektion III Bereitstellung im Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport der Republik Österreich, angeführt. Die dritte Delegation war die schweizerische, die durch Martin Stocker, Leiter Armasuisse Immobilien und Vizedirketor im Eidgenössischen Department für Verteidigung vertreten worden ist.

Seit 2011 tagt dieses Gremiumim jährlich abwechselnd in einem der drei vertretenen Länder. Im Mittelpunkt dieser Gespräche steht der regelmäßige Erfahrungsaustausch. Nach dem Aufenthalt an der Führungsakademie sind die jeweiligen Delegationen in ihre Heimatländer und Standorte zurückgefahren. Eine angefüllte Tagungswoche ging zu Ende.

 

 

Enge Verbindungen mit Peru gefestigt

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Stefan Bayer

Hamburg, 01.12.2017


Prof. Dr. Bayer beim Vortrag auf der EIDESEA 2017

Peruanische Kadetten der Escuela Militar de Chorrillos "Coronel Francisco Bolognesi" beim abendlichen Empfang

Pazifikstrand im Stadtteil Miraflores von Lima

Folkloredarbietung der peruanischen Kadetten der Militärschule Escuela Militar de Chorrillos "Coronel Francisco Bolognesi"

Huaca Pucllana ist eine beeindruckende Pyramide aus der Prä-Inka-Zeit und befindet sich mitten in der Hauptstadt Lima"

Es sind die Erfahrungen und Erlebnisse einer Forschungsreise im klassischen Sinne, die Professor Dr. Stefan Bayer, Leiter des Fachgebietes Ökonomie und Strategie in der Fakultät für Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), von seiner (zu) kurzen Forschungsreise nach Lima / Peru zurück an die FüAkBw gebracht hat. Die von der Hanns-Seidel-Stiftung in München unterstützte Reise Anfang November wurde zum wissenschaftlichen Diskurs und für Expertengespräche ebenso genutzt wie auch dazu, die Führungsakademie zusammen mit der Helmut-Schmit-Universität der Bundeswehr (HSU) als die neue Denkfabrik am Standort Hamburg bei den internationalen Partnern zu positionieren und zu vernetzen.

Enge Verbindung der Länder

Kurz nach seiner Anreise hielt Bayer einen Vortrag zum Thema „Intergenerational Discounting in Climate Policy Analysis and Strategic Planning“ an der renommierten Pontifical Catholic University of Peru (PUCP). Inhalt seiner Ausführungen war die „Strategische Bedeutung ökonomischer Planungsmethoden für langfristige Entscheidungssituationen“.  Sein peruanischer Kollege, José Carlos Silva, Professor für Ökologische Ökonomie an der Fakultät der PUCP, kommentierte die Ausführungen Bayers und moderierte die daran anschließende kontroverse Diskussion unter den etwa 35 Zuhörerinnen und Zuhörer. Wie eng Peru und Deutschland miteinander verflochten sind, mag an einem konkreten Beispiel deutlich werden. Im Verlauf der Diskussion wurde ein tagesaktueller Rechtsstreit erörtert. Dieser handelte von der Klage eines peruanischen Bauern gegen einen deutschen Energiekonzern vor dem Landgericht Essen. In diesem Rechtsstreit strebt der peruanische Kläger an, das Energieunternehmen wegen der Folgen der Klimaerwärmung in seiner Heimatregion in Peru in Regress zu nehmen. Für Professor Bayer rücken durch diesen Fall die so genannten externen Kosten der Stromproduktion in den Fokus. Diese Klage könnte das Kernanliegen juristisch begründen: „Eine vollständige Wirtschaftsrechnung muss alle Kosten des Handelns berücksichtigen“, so Bayer.

Einfluss auf die Sicherheitspolitik

An den beiden Folgetagen stand die internationale Konferenz für Verteidigung, Sicherheit und Umwelt für Professor Bayer auf dem Programm. Teilnehmer aus insgesamt neun Ländern waren zugegen und tauschten sich über verschiedene Aspekte militärstrategischer Implikationen des internationalen Klimawandels aus. Wegweisend wurde die Tagung gemeinsam von der Pontifical Catholic University of Peru (PUCP), der Escuela Militar de Chorrillos Coronel Francisco Bolognesi, ein Pendant zur deutschen Führungsakademie der Bundeswehr auf Heeresebene, sowie vom World Wildlife Fund (WWF) organisiert und durchgeführt.

Verteidigungsminister eröffnet Konferenz

Der erste Tag wurde an der Militärschule, der zweite an der PUCP durchgeführt. Die Tagung hatte ein starkes politisches Gewicht mit der Begrüßung durch den peruanischen Verteidigungsminister Jorge Nieto Montesinos. Dieser führte die rund 400 Konferenzteilnehmer mit einem nachdenklich stimmenden Grußwort auf die kommenden zwei Tage ein. In seinem Grußwort titulierte er sich als Minister für Frieden, Sicherheit und Entwicklung. Aus seiner Sicht „sind alle Facetten strategische Aufgaben, die die peruanischen Streitkräfte in Zukunft noch deutlich mehr beschäftigen werden."

Verlust an nationaler Souveränität

Professor Bayer hatte die große Ehre, den wissenschaftlichen Teil der EIDESEA 2017 mit einem Grundsatzvortrag zu eröffnen. In diesem arbeitete er die neuen strategischen Herausforderungen für Streitkräfte im Zeitalter des Klimawandels heraus. „Zugleich hat der Klimawandel den Verlust an Souveränität für die Nationen zur Folge“, sagte Bayer. Neues, sehr umfassendes Denken ist sowohl auf nationaler wie internationaler Ebene notwendig, um hier nachhaltige Lösungen zu erarbeiten und politisch umzusetzen. „Dazu sind derartige Konferenzen prädestiniert“, wie der Vortragende ausführte.  Weitere interessante Vorträge, so Erfahrungen aus Kanada, den USA, aus dem Gastgeberland Peru oder Brasilien, aber auch Überlegungen zum Risikomanagement privater Unternehmen wurden vorgestellt und ausführlich diskutiert. Während der Tagungspausen konnten intensive Gespräche geführt werden. Zudem wurde Bayer zu zwei Interviews mit regionalen Tageszeitungen gebeten.

Folklore zur Aufmunterung

Die peruanischen Gastgeber verwöhnten nach dem ersten Tagungstag die Konferenzbesucher mit peruanischer Folklore und allerlei Gaumenfreuden mit Getränken und Speisen. Bei den Abschlussgesprächen wurde dieses Forum einheitlich als beispielgebend bewertet, ein Tagungsband und eine Nachfolgekonferenz binnen Jahresfrist werden vorbereitet. Die verbleibenden beiden Tage konnten zur Erkundung Limas genutzt werden,  auch hier wieder mit großartiger Unterstützung der peruanischen Gastgeber, bevor die lange Rückreise vom Pazifik in den kalten Norden Deutschlands anstand.


 

 

 

 

Ladies` Night - an der FüAk nicht nur für Frauen

Autor: Jana Grigoleit; Fotos: Jana Grigoleit

Hamburg, 30.11.2017


Zahlreiche Partner/-innen folgten der Einladung zum "Welcome- Abend"

 Erstes Kennenlernen und gemeinsamer Austausch

Erste internationale Freundschaften entstehen

Die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) ist als höchste Bildungseinrichtung der deutschen Streitkräfte in vielerlei Hinsicht eine ganz besondere Einrichtung: Soldaten aus 120 verschiedenen Nationen haben hier in den vergangenen 60 Jahren schon ihren Dienst geleistet. Rund 50 unterschiedliche Nationalitäten sind Tag aus Tag ein in den verschiedenen Lehrgängen der Akademie vor Ort. Viele von ihnen ziehen mit ihren Familien nach Hamburg, nicht nur in eine neue Stadt, sondern in ein neues Land. Häufig ist damit auch der Wechsel auf einen ganz anderen Kontinent verbunden. Um ihnen den Einstieg in Hamburg zu erleichtern und um Informationen weiterzugeben, die für Neuankömmlinge in der Hansestadt von Bedeutung sind, haben sich drei Frauen vorgenommen, das gegenseitige Kennenlernen zu unterstützen: Die Ladies´ Night wird fortgesetzt.

Engagement ist alles

Frauke Lüchow, Kimberly Jordan und Hauptmann Jana Grigoleit sind allesamt Ehefrauen oder Lebenspartnerinnen von (ehemaligen) Lehrgangsteilnehmern. Sie haben zu einem Welcome-Abend als Auftaktveranstaltung für die Familien der gerade begonnenen Lehrgänge des internationalen sowie nationalen General- und Admiralstabsdienstes eingeladen. „Wir machen das, weil wir wollen, dass die Familien, die eine neue Sprache, Wohnung, Schule oder Umgebung kennenlernen, gleich von Anfang an die richtigen Informationen erhalten, um einen leichten Start hier zu haben‘‘, berichtet Frauke Lüchow, die Lebenspartnerin von Major Hille. Die Resonanz war umwerfend: 48 Partnerinnen und Partner der Lehrgangsteilnehmenden aus zwölf verschiedenen Nationen sind der Einladung gefolgt. Auch „ältere‘‘ Familien sind dazu gekommen, um ihre Erfahrungen weiter zugeben.

Durchdachtes Programm

Mit einem Rundgang durch die FüAk ging es in diesem Jahr los. Oft genug finden hier Veranstaltungen statt. Und alle sollen zwischen den wichtigsten Gebäuden, Henning-von-Tresckow-Gebäude, Admiral-von-Wellershof-Gebäude und Manfred-Wörner-Zentrum, unterscheiden können. In der Heimgesellschaft eröffnete Frauke Lüchow anschließend offiziell den Abend und erzählte von ihren eigenen Erfahrungen. So hat sie in diesem Jahr die Organisation des Krabbelcafés in der Graf-Baudissin-Kaserne übernommen. „Durch Kinder bekommen wir schnell einen Zugang zu sozialen Netzwerken‘‘, erklärt sie. Das heftige Kopfnicken vieler Gäste zeigte, dass sie ähnliche Dinge erlebt haben. Die verteilten Broschüren mit Informationen über das Freizeitbüro, Spielplätze in der Umgebung, Sehenswürdigkeiten, Ärzte und vieles mehr wurden gerne genommen. Beim anschließenden Essen haben die Teilnehmer bereits Telefonnummern ausgetauscht.

Schönes Miteinander

„Freundschaft, das ist wie Heimat.‘‘ Damit trifft Kurt Tucholsky den Nagel auf den Kopf, was die gelungene Auftaktveranstaltung angeht. Alle Teilnehmenden waren durch die Bank froh, gekommen zu sein und gleich die ersten Bänder für neue Freundschaften geknüpft zu haben. „So ein Netzwerk ist Gold wert‘‘, bestätigte ebenfalls Kimberly Jordan. Auch die Veranstalterinnen haben viel mitgenommen. „Es ist immer wieder faszinierend, wie so viele Nationen sich sozusagen durch das Schicksal vereint gleich so gut verständigen und verstehen‘‘, sagt Lüchow. Der Erfolg ist bestätigt, daher freuen sich alle auf die Fortsetzung der Reihe: Ein Adventsnachmittag und Familienausflüge sollen folgen.


 

 

 

 

In guter Hamburger Tradition

Autor: Stefan Berger; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 29.11.2017

Der LGAI 2017 auf der Senatstreppe im Hamburger Rathaus


Major Uwezo Samson Nyatige, Oberst i.G. Frank Wasgindt und Staatsrat Bernd Krösser (v.li.n.re.)

Erlebnisse schaffen Erinnerungen: Lehrgangsteilnehmer bei der eindrucksvollen Führung durch das Hamburger Rathaus

 

 

Seit 1962 führt die Führungsakademie der Bundeswehr den Lehrgang General-/ Admiralstabsdienst International (LGAI) durch. Damit wird die Clausewitz-Kaserne im Westen von Hamburg für ein Jahr zur Heimat für annähernd siebzig internationale Offiziere aus mehr als vierzig Ländern. Traditionell heißt der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg die Lehrgangsteilnehmenden im Rahmen eines Empfangs in der „schönsten Stadt Deutschlands“ offiziell willkommen. Die Freie und Hansestadt Hamburg als „Tor zur Welt“ prägt somit die Ausbildung für die Soldatinnen und Soldaten aus allen Erdteilen maßgeblich mit. Und diese wissen die vielfältigen Möglichkeiten der weltoffenen Elbmetropole besonders zu schätzen.

Hamburg und FüAk eng verbunden

Der diesjährigen Einladung folgend machten sich die internationalen Hörsäle des Heeres, der Luftwaffe und der Marine in Begleitung ihrer Tutoren und unter Führung des Lehrgangsleiters, Oberst i.G. Frank Wasgindt, auf den Weg zum altehrwürdigen Hamburger Rathaus. Begrüßt wurde der Lehrgang durch den Staatsrat der Behörde für Inneres und Sport, Bernd Krösser, der in seiner Rede insbesondere die enge Verbundenheit der Stadt mit der Führungsakademie der Bundeswehr und dem Lehrgang General-/ Admiralstabsdienst International herausstellte. Im Anschluss überreichte ihm die einzige Frau aus dem Kreise der Lehrgangsteilnehmenden, Frau Major Uwezo Samson Nyatige aus Tansania, ein gerahmtes Foto des Lehrgangs 2017 und bedankte sich für die bisher erfahrene Gastfreundschaft der Stadt.

Ein Rathaus, das beeindruckt

Eine eindrucksvolle Führung durch die repräsentativen Räumlichkeiten des Gebäudes aus dem 19.  Jahrhundert wird den Lehrgangsteilnehmenden noch lange in guter Erinnerung bleiben – ebenso wie  die Hansestadt.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cyber auf dem Vormarsch an der Führungsakademie

Autor: Christiane Rodenbücher; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 24.11.2017

Generalmajor Michael Vetter beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie

Generalmajor Michael Vetter (2. v.l.) und Konteradmiral Carsten Stawitzki (3. v.l.) an der FüAkBw

 Besprechung im Büro des Kommandeurs

Cyber – Digitalisierung, hybride Gefahren, virtuelle Realitäten, kritische Infrastruktur … eine Menge an Begriffen fallen einem sofort dazu ein. Die Bundeswehr ist in vielerlei Hinsicht von dem Thema betroffen, sei es bei der täglichen Nutzung von Computern, im Bereich Ausrüstung oder aber in der Ausbildung. Die Thematik hat in den Streitkräften mit der Abteilung Cyber/Informationstechnik (CIT) im Oktober vergangenen Jahres sowie dem neuen Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR) seit April 2017 eine große Relevanz erhalten. „Obwohl beide noch in der Aufbauphase sind und somit strukturelle und prozessuale Pionierarbeit leisten, sind die Erwartungen an die Arbeits- und Leistungsbereitschaft dieser neu aufgestellten Bereiche enorm“, erklärt Generalmajor Michael Vetter, der stellvertretende Inspekteur Cyber und Informationsraum bei seinem Besuch an der Führungsakademie. Zusammen mit einer Delegation aus dem Bonner Kommando tauschte er sich ausgiebig mit Vertretern der Führungsakademie aus.

Breitenwirkung

General Vetters Zielvorstellung: „Wir wollen im Cyber- und Informationsraum gezielt wirken – dazu ist es notwendig, dieses Thema in die gesamte Organisation der Streitkräfte einzubringen.“ CIR integriert seine Forderungen inzwischen wie Heer, Luftwaffe und Marine in den Planungsprozess der Bundeswehr und erstellt Laufbahnen und Werdegänge wie andere Teilstreitkräfte. Vetter betont den gesamtstaatlichen Ansatz und die parteiübergreifend fruchtbare Zusammenarbeit auf diesem Gebiet: "Cyber geht uns alle an - das schweißt zusammen." Umso wichtiger ist für ihn, "das Thema an der zentralen Ausbildungsstätte der Streitkräfte zu positionieren". Die FüAkBw eigne sich hervorragend als Multiplikator für Truppe und Führungspersonal. Beispielsweise über Lehrgangsarbeiten oder Studienphase.

Fünfte Dimension

Ähnlich ambitioniert wie im Komamando CIR geht es an der Führungsakademie der Bundeswehr zu: Die organisatorische und strukturelle Abbildung des neuen militärischen Organisationsbereiches CIR treibt die Fakultät Einsatz, CIR, SKB unter Hochdruck voran. Die Umsetzung der fachlichen Aufgaben, Inhalte und Mehrwerte in die Lehre erfordern von einem kleinen Team in kurzer Zeit effektive Ergebnisse. Das bedeutet, der militärische Organisationsbereich CIR soll künftig für die Lehrgangsteilnehmer als eigener Operationsraum in der fünften Dimension mit verschiedenen Aufgaben und Rollen erklärt werden. Die Lehre an der FüAkBw wird künftig vermitteln, wie im Cyber- und Informationsraum aufgeklärt und gewirkt wird.

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Kommandeur 1. Panzerdivision besucht LGAI 2017

Autor: Ingo Schöppler; Fotos: Bundeswehr

Hamburg, 24.11.2017

General Markus Laubenthal beim Vortrag

Oberst i.G. Frank Wasgindt und General Laubenthal im Flaggensaal der FüAkBw

 Gemeinsames Abendessen im italienischen Restaurant


 

 

 

Der Kommandeur der 1. Panzerdivision, Generalmajor Markus Laubenthal, hat den LGAI 2017 besucht. General Laubenthal war zuvor als erster Deutscher General zum Chef des Stabes bei der US Army Europe (USAREUR) berufen worden. Nach einem Termin beim Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), Konteradmiral Carsten Stawitzki, widmete sich der Zwei-Sterne-General einen kompletten Nachmittag den internationalen und nationalen Teilnehmern des Lehrgangs Generalitätsstabsdienstoffiziere Admiralitätsstabsdienstoffiziere International (LGAI).

Herausforderungen militärischer Führung

Vor Zuhörern aus 73 Nationen und vier Kontinenten referierte der General über die besonderen Herausforderungen der militärischer Führung im internationalen Umfeld. In seinen Ausführungen schilderte er dabei vielfältige Erfahrungen als Kommandeur der 1. Panzerdivision bei der United States Army und aus seinen Einsätzen im Kosovo und Afghanistan. Durch seine Darstellungen wurde sein Vortrag für die Zuhörer sehr authentisch. Die außergewöhnliche Persönlichkeit des Vortragenden mit internationaler Erfahrung sowie die einzigartigen Erlebnisse hinterließen spürbar einen sehr positiven Eindruck bei den Teilnehmern des LGAI 2017. Angeregt durch die plakativen und praxisnahen Vortragsinhalte wurde die Veranstaltung durch eine lebhafte Diskussion über die Herausforderungen von Landstreitkräften im wechselnden sicherheitspolitischen Umfeld abgerundet.

Italienischer Ausklang

Auch der Lehrgangsleiter des LGAI 2017, Oberst i.G. Frank Wasgindt, zeigte sich sichtlich erfreut über den Verlauf der Veranstaltung und bedankte sich dafür, „einen so hochkarätigen Vortragenden für den LGAI gewonnen zu haben“. Zur besonderen Freude der deutschen Teilnehmer des LGAI 2017 kam General Laubenthal im Anschluss an den offiziellen Teil der Veranstaltung zu einem gemeinsamen Lehrgangsabend in einem nahe gelegenen italienischen Restaurant. Dabei gab er seiner Verbundenheit mit dem LGAI 2017 durch die Zusage seiner Unterstützung für zukünftige Projekte besonderen Ausdruck. Der LGAI 2017 bedankt sich für diese bereichernde Veranstaltung.

 

 

 

 

 

Zielgerichtete Vorbereitung auf den Einsatz in UN-Hauptquartieren

Autor: Manfred Ertl; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 20.11.2017

Im Fokus des Lehrgangs: Der Einsatz in Hauptquartieren von UN-Missionen

Teilnehmende auch aus dem zivilen Bereich

Austausch zwischen deutschen und internationalen Teilnehmenden

Praktische Anwendung des Gelernten in einer Planübung

 

 

Der Einsatz deutscher Soldatinnen und Soldaten in Friedensmissionen der Vereinten Nationen (UN, United Nations) ist mittlerweile ein fester Bestandteil des Aufgabenspektrums der Bundeswehr, der künftig noch an Bedeutung gewinnen wird. Die Bundeswehr hat ein Paket von Maßnahmen geschnürt, um die Soldaten bestmöglich auf diese Einsätze vorzubereiten. Eine dieser Maßnahmen ist die Schaffung eines UN Staff Officer Course (UNSOC) an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Ziel dieses dreiwöchigen Lehrgangs ist es, Angehörige der deutschen Streitkräfte auf den Einsatz als Stabsoffizier in Hauptquartieren von UN-Missionen vorzubereiten. Der UN Staffofficer Course (UNSOC) gehört weltweit zu den wenigen Lehrgängen, die von den Vereinten Nationen zertifiziert und deswegen besonders attraktiv sind.

Zivile und militärische Teilnehmer

Da UN-Hauptquartiere nie rein militärische Einrichtungen sind, steht der UNSOC auch Mitarbeitern ziviler Institutionen offen. So nehmen zum Beispiel regelmäßig Vertreter deutscher Polizeibehörden am Lehrgang teil. Darüber hinaus entsenden auch andere Nationen Offiziere an die Führungsakademie. Dadurch ist der UNSOC durch Multinationalität geprägt wie auch das Aufeinandertreffen einer Vielzahl unterschiedlicher Organisationskulturen, was für die Situation in UN-Einrichtungen typisch ist. Es verwundert nicht, dass die Lehrgangssprache Englisch ist – eine Notwendigkeit, um in einer multinationalen Gruppe gemeinsam lernen und arbeiten zu können.

Peacekeeping-Missionen im Fokus

Der Lehrgang besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Im ersten, zwei Wochen dauernden Abschnitt werden die Grundkenntnisse vermittelt, die erforderlich sind, um Grundlagen der Vereinten Nationen als Institution sowie die Funktionsweise von Peacekeeping-Missionen zu erfassen. Dazu befassen sich die Teilnehmenden zunächst mit den historischen, rechtlichen und konzeptionellen Grundlagen des Peacekeepping.

Anschließend geht es um die konkrete Organisation einer Friedensmission sowie um die unterschiedlichen Aufgaben und Zielsetzungen, die im Fokus derartige Missionen stehen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Prinzip des multidimensionalen Peacekeepings, das große Übereinstimmung mit dem Prinzip der vernetzten Sicherheit aufweist.

Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die meisten heutigen Konflikte nicht rein militärisch sind, sondern dass sie eine Vielzahl weiterer Dimensionen umfassen wie etwa eine prekäre humanitäre Lage, mangelndes Demokratieverständnis der Konfliktparteien, ethnische Spannungen und fehlende staatliche Strukturen. Folglich darf eine Stabilisierungsoperation auch nicht eindimensional auf die Sicherheitslage einwirken. Sie muss vielmehr auf politischem, humanitärem oder ökonomischem Gebiet die Voraussetzungen schaffen, dass ein Waffenstillstand auch zu einem dauerhaften und belastbaren Frieden führt.

Verknüpfung ziviler und militärischer Aspekte

Vor diesem Hintergrund werden beim Lehrgang insbesondere Fragestellungen aus den Bereichen humanitäre Hilfe, Entwicklungsarbeit sowie Wiederaufbau von Polizeistrukturen und der lokalen Zivilgesellschaft behandelt. Im dem Zusammenhang befassen sich die Teilnehmenden auch mit den Grundprinzipien der Logistik bei einer solchen Mission, die sich von den Prinzipien und Prozessen rein militärischer Logistik zum Teil erheblich unterscheiden. Den Input-Teil des UNSOC runden Vorträge über die Staff Procedures in UN-Missionen, Verhaltensregeln für UN-Personal und grundlegende Prinzipien der Vereinten Nationen wie die Berücksichtigung von Gender-Aspekten oder der Schutz der Zivilbevölkerung im Einsatzland ab.

Planübung zur praktischen Anwendung des Gelernten

In der dritten Woche des Lehrgangs wenden die Teilnehmenden das Erlernte im Rahmen einer Planübung praktisch an. Sie erhalten den Auftrag, in dem fiktiven Land Kolpoto im Westen Afrikas eine UN-Peacekeeping-Mission zu planen. Der militärische Operationsplan für die Friedenstruppe ist dabei allerdings nur ein Teil des Vorhabens. Denn parallel dazu muss in der Übung ein Konzept für den politischen Prozess, ein Plan für die humanitäre Operation und für die Koordinierung von Entwicklungsprojekten sowie ein Logistikkonzept entwickelt werden. Hierbei steht im Vordergrund, dass die Lehrgangsteilnehmenden am Beispiel einer konkreten Problemstellung nachvollziehen können, welche Aufgaben die verschiedenen Akteure in einem Hauptquartier einer Peacekeeping-Mission haben und wie sie interagieren.

Damit leistet die Führungsakademie einen elementaren Beitrag für gelingende UN-Missionen.

 

Versöhnung über den Gräbern zum Volkstrauertag

Autor: Inka v. Puttkamer; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 19.11.2017

Admiral Stawitzki bei der Ansprache zum Volkstrauertag

3. v.l. Bezirksamtleiterin Dr. Liane Melzer, 4. v.l. Generalkkonsul Frankreich Laurent Toulouse

Internationale Teilnehmer am Volkstrauertag

Die britische Band "Band of the Royal Armoured Corps"

Ansprache des französischen Generalkonsuls Toulouse

Deutsche Offiziere legen Kranz nieder

Italienischer Generalkonsul Giorgio Taborri am Friedhof

Kranzniederlegung durch Honorarkonsul Nicholas Teller

Einen ganz besonderen Rahmen hatte der Volkstrauertag in diesem Jahr auf dem Blankeneser Friedhof: Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), Konteradmiral Carsten Stawitzki, hat Vertreter der ehemaligen deutschen Kriegsgegner zu einer gemeinsamen Kranzniederlegung und Feierstunde eingeladen. Amerikaner, Briten, Franzosen und Italiener standen Seite an Seite mit Deutschen, um ihrer Toten zu gedenken. Dieser internationale Ansatz mit knapp 100 geladenen Gästen ist bisher einmalig und einzigartig. Durch weitere Teilnehmer des internationalen General- und Admiralstabslehrgangs waren Soldaten von vier verschiedenen Kontinenten versammelt.


Mehrsprachiges Gebet

Bei stürmischem Novemberwetter beginnt der Festakt mit einer Andacht durch den evangelischen Militärdekan an der FüAkBw, Dr. Hartwig von Schubert. Er erinnert an die unmenschlichen Verbrechen der Kriege. Nach dem von allen anwesenden Nationen in ihrer Sprache gemeinsam gebeteten Vaterunser resümiert er, dass sich an diesem Tag alle zusammen sowohl als Täter als auch als Opfer verbeugen, ganz gleich welcher Nationalität. Anschließend versammeln sich die Gäste am Gedenkstein des Friedhofs.


„Gedenken gehört in die Mitte der Gesellschaft“

Eingerahmt von einer Ehrenformation aus französischen Offizieren, die allesamt Studierende der Helmut-Schmidt-Universität (Universität der Bundeswehr Hamburg) sind, begrüßt Stawitzki nun die zahlreichen Gäste. Er holt sie mit einem Zitat aus Erich Maria Remerques „Im Westen nichts Neues“ direkt in den Kriegsalltag des einfachen Soldaten vor knapp hundert Jahren. Er hebt hervor, dass dagegen an diesem Tag 2017 Nationen Schulter an Schulter stehen, die ehemals gegeneinander in den Krieg gezogen sind: „Wir stehen hier heute als Freunde, Verbündete und Partner – in dem Bewusstsein, dass wir die Probleme dieser Welt nur gemeinsam bewältigen können.“


Frieden in Europa

Stawitzki ruft seinen Zuhörern ins Gedächtnis, dass Europa sich in der längsten Friedensperiode seit Ende des Zweiten Weltkrieges befindet und wie großartig diese Tatsache ist. „Es kann nur der aus der Vergangenheit lernen, der sich ihr stellt.“ Die Vergangenheit nimmt uns in die Verantwortung, unser Handeln immer an die Normen der Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit zu binden, mit Offenheit und Toleranz zu agieren, so Stawitzki. „Verantwortung – uns entschieden und mutig und wenn es sein muss, lautstark und mit aller Kraft entgegenzustellen, wo immer die Würde des Menschen angetastet wird.“ Der Kommandeur der Führungsakademie verweist schließlich auf die vielen Soldaten, Polizisten, Entwicklungshelfer und freiwilligen Helfer aller Nationen, die sich in Auslandseinsätzen befinden.


Erinnerung und Orientierung

Extra angereist ist die britische „Band of the Royal Armoured Corps“, um für eine würdige musikalische Untermalung zu sorgen. Beim „Lied vom guten Kameraden“ schwingt die Atmosphäre des Gedenkens unter den Gästen mit, die anschließend beim Verlesen des Totengedenkens verbalisiert wird. Wichtig ist an diesem Tag, dass grade nicht nur an die Toten aus den Weltkriegen, sondern auch an die gefallenen Soldaten der über 60-jährigen Bundeswehrgeschichte und an die jüngsten Opfer von Terror und Gewalt erinnert wird. Für die internationalen Ehrengäste spricht der französische Generalkonsul Laurent Toulouse. Mit bewegenden Worten bedankt er sich „aus tiefstem Herzen“, dass sich das erste Mal Vertreter der ehemaligen Kriegsgegner zu diesem Tag der Einkehr treffen. Toulouse verdeutlicht, dass ein gesunder Patriotismus und Menschenverstand dazu führen, dass die Vergangenheit nicht nur zum Gedenken, sondern vor allem auf die Zukunft verpflichtet – und gerade das gilt für alle Völker. Die „Zukunft“ wird unter den Gästen auch durch Schüler des „Lycée Français de Hambourg“ repräsentiert.

 

Kränze zum Gedenken

Die Ehrengäste legen anschließend Kränze nieder: Für Deutschland ist es Admiral Stawitzki. Den italienischen Kranz legt der Generalkonsul Giorgio Taborri nieder, für Großbritannien ist es der Honorarkonsul Nicholas Teller, für die USA der aus Berlin angereiste Militärattaché Colonel Terry Anderson. Den Schluss bildet Toulouse. Die anschließende Schweigeminute wird eingerahmt durch das französische Stück „Aux Morts“ und die hoffnungsfrohe Europahymne zum Schluss.

 

Der Verantwortung stellen

An der FüAkBw gibt es anschließend Erbsensuppe zusammen mit der Gelegenheit zur gemeinsamen Reflexion der Veranstaltung. Alle sind sich einig, dass der internationale Rahmen dem Tag besondere Würde verliehen hat. Die Bezirksamtsleiterin von Altona, Dr. Liane Melzer, spricht als zivile Vertreterin zu den Gästen. Sie fragt sich, ob der Volkstrauertag heute noch Bedeutung hat, er scheint „sehr weit vom Alltag entfernt zu sein“. Das ganz eindeutige Ja begründet sie mit der angemahnten Aussöhnung zwischen den Völkern. Aussöhnung, die im Angesicht der jüngsten europäischen Konflikte niemals an Aktualität verlieren wird. „Der Frieden ist ein Gut, das nicht als gegeben hingenommen werden kann.“ Melzer erinnert zum Schluss an Jean-Claude Juncker, der bereits vor neun Jahren zum Volkstrauertag die Europazweifler dazu aufrief, Soldatenfriedhöfe zu besuchen, um sich so das Leid zu vergegenwärtigen, das ohne Völkerverständigung passieren kann.

 

Beispielhafte Veranstaltung

So gelungen organisiert wurde die Gedenkfeier vor allem durch den älteren nationalen Lehrgang General- und Admiralstabsdienst. Die Resonanz der Gäste – international und im Altersband zwischen zwei und achtzig Jahren, in Uniform und ohne - zeigt, dass der Volkstrauertag tatsächlich nichts Vergangenes ist, sondern in Hamburg auf dem Blankeneser Friedhof und an der FüAkBw wirklich von allen Generationen erinnert und die angesprochene Verantwortung gelebt wird.

 

 

 

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An der Führungsakademie der Bundeswehr bringen Spitzenführungskräfte aus allen Bereichen der Streitkräfte ihre Expertise in unterschiedlichen Formaten in die Lehre ein.

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