Lehrdeputat

An der Führungsakademie der Bundeswehr bringen Spitzenführungskräfte aus allen Bereichen der Streitkräfte ihre Expertise in unterschiedlichen Formaten in die Lehre ein.

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Alumni

Die Führungsakademie der Bundeswehr ist traditionell international stark vernetzt. Weltweite Kooperationen sind die Basis unseres Beitrages zur Völkerverständigung.

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Master: MFIS

Die Führungsakademie der Bundeswehr bietet ihren Lehrgangsteilnehmern in Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität einen international anerkannten Masterabschluss:

„Militärische Führung und Internationale Sicherheit“

Dialog

Als Begegnungsstätte für den offenen Dialog aller gesellschaftlicher Gruppen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene trägt die FüAkBw zur Friedensicherung und Völkerverständigung bei.

Der Hamburger Diskurs

Digitalisierung im Fokus: FüAk bei Ausbildungsmesse

Autor: Matthias Friedrich; Fotos: Colin Schramm / FüAkBw

Hamburg, 20.09.2017

Hauptmann Körner im Gespräch

Virtuelle Realität erleben - modern Technik zum Ausprobieren

Die Keynotes sorgen stets für einen vollen Hörsaal

Impressionen vom (Aus)Bildungskongress: Ein Blick von oben

An der Helmut-Schmidt-Universität/ Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/ UniBw HH) hat der 4. (Aus)Bildungskongress der Bundeswehr unter dem Motto „Biografien 4.0?! – (Aus)Bildung, Arbeit und Organisationsentwicklung im Wandel gestalten“ stattgefunden. Der Schwerpunkt: Digitalisierung. Die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAk) hat sich als höchste militärische Ausbildungseinrichtung mit einem Messestand beteiligt. Neben allgemeinen Informationen über die Akademie haben die Angehörigen der FüAk in diesem Jahr das Modulangebot in den Mittelpunkt gestellt, weil es besonders vielfältig ist.

Breites Angebot

Die FüAk bietet pro Jahr über 80 unterschiedliche Module an, die durchschnittlich fünf Tage dauern. Das Portfolio reicht von „Führung und Einsatz von Streitkräften“ über „Individuelle Führungskompetenzen“ und „Grundbetrieb Bundeswehr“ bis zu „Staaten, Gesellschaft, Militär“. Ausführliche Informationen zu den Modulen finden Sie hier.Viele Seminare richten sich auch an Zivilisten, sowohl in der Bundeswehr als außerhalb.

Vielseitige Informationsmöglichkeiten

„Die FüAk beteiligt sich an der Ausbildungsmesse auch deshalb mit einem Stand, weil sie sich damit auf dem Arbeitgebermarkt positioniert und nach außen signalisiert: Wir haben die Treiber des Wandels erkannt und stellen uns offen der Diskussion – jeder kann hier mit uns in Kontakt treten“, erklärt Oberst i.G. Martin Simberg, der Leiter im Ausbildungs- und Prozessmanagement der FüAk ist. Welche Wichtigkeit die volatile Arbeitsmarktlage und das lebenslange Lernen für die Bundeswehr hat, betonte Generalleutnant Eberhard Zorn, Abteilungsleiter Personal im Bundesministerium der Verteidigung, der den Kongress eröffnete.

Alles 4.0?!

Zahlreiche militärische und zivile Redner und Aussteller haben ihren Weg nach Hamburg gefunden. Die Digitalisierung in der Bildung ist das Hauptthema, das alle Teilnehmer bewegt. Wie der Bedarf der Industrie 4.0 an das Personal ist, wie die Bundeswehr ihre Ausbildungseinrichtungen fit für die Digitalisierung macht oder wie die militärische Führung unter dem „Diktat“ der Digitalisierung aussieht – all diese nicht leicht zu beantwortenden Fragen greifen unter anderem das Bildungszentrum der Bundeswehr, Vertreter verschiedener Truppenschulen, die Bw Consulting und zahlreiche Universitäten auf.

Mehrwert der Messe

Als Weiterentwicklung des ehemaligen Fernausbildungskongresses der Bundeswehr ist die neue Messeform stärker als früher zukunftsorientiert: Eine wissenschaftliche, aber auch praxisorientierte Tagung wird durch eine Fachausstellung abgerundet und bietet damit gleich zwei Perspektiven, um sich dem Thema Bildung in der Bundeswehr zu nähern. Der Kenntnisstand kann zum einen in zahlreichen Vorträgen auf den neusten Stand gebracht werden. Außerdem können Interessierte das persönliche Bildungsnetzwerk im Gespräch am Messestand erweitern.

Berufsbegleitender Master

Einen passenderen Rahmen als den (Aus)Bildungskongress hätte die Verleihung der Masterurkunden für die Studenten des Studiengangs „Militärische Führung und internationale Sicherheit“ (MFIS) nicht finden können: Am zweiten Kongresstag wurden die Absolventen des nationalen General- und Admiralstabslehrgangs von der FüAk mit den lange ersehnten Urkunden ausgezeichnet und unterstrichen damit nicht nur die Theorie des lebenslangen Lernens, sondern auch die gute Zusammenarbeit zwischen HSU und Akademie. Im nächsten TOP-Thema berichten wir ausführlich über die MFIS-Verleihung.

Aktuelles

Am großen Rad der Reform mitgedreht: Oberst Hellwig

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 11.09.2017

Konteradmiral Carsten Stawitzki bei seiner Dankesrede

Oberst Harald Hellwig bei seiner Abschiedsansprache

Entbindung von den Aufgaben

Mitglieder der Autorenriege des Buches ,,Der Golfkrieg"; Oberst Hellwig letzte Reihe, 1.v.li

Ansprache des neuen Leiters der Gruppe "Strategie und Entwicklung", Oberstleutnant Erik Alexander Voigt

Abschied von der Führungsakademie

Beeindruckende Worte zum Abschied

Es waren herausfordernde Themen, die die letzten Monate seiner Dienstzeit geprägt haben: Der Leiter der Gruppe "Strategie und Entwicklung" durfte im vergangenen Jahr am großen Rad der Führungsakademie mitdrehen, die Neuausrichtung mit zu gestalten. Die Gruppe von Oberst i.G. Harald Hellwig zeichnete verantwortlich für die „Orchestrierung“ der Weiterentwicklung der Führungsakademie. Nach diesen sehr intensiven Zeiten verlässt er nun die Streitkräfte. Der Empfang im Beck-Saal anlässlich der Kommandoübergabe der Gruppe "Strategie und Entwicklung" an Oberstleutnant i.G. Alexander Erik Voigt machte deutlich: Mit dieser Übergabe enden für den ausscheidenden Stabsoffizier 42 Jahre spannender und vielseitiger Dienst in der Bundeswehr. Der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, verabschiedete ihn mit herzlichen Worten – ein berührender Abschied. Am 30.September 2017 wird Oberst Hellwig seinen letzten Tag in den Streitkräften erleben. Wie hat alles angefangen?

„Was keiner wagt, das sollt ihr wagen“

In einer sehr persönlichen Ansprache nimmt Oberst Hellwig die Zuhörer noch einmal mit an den Anfang seiner Bundeswehr-Laufbahn. Er zitiert aus seiner Rekrutenrede, die er als junger Panzerkanonier 1975 bei seinem feierlichen Gelöbnis in Homberg / Efze halten durfte. Sichtlich bewegt erzählt er von einem ihn prägenden Ereignis. Anlässlich seiner Beförderung zum Leutnant bekam er damals ein Buch von Lothar Zenetti geschenkt, in dem am Ende des Bandes das Gedicht „Was keiner wagt“ abgedruckt war. Die Verse des Gedichtes haben ihn während seines Berufslebens begleitet. Die Gedanken des Gedichtes seien ihm wichtig, „weil sie in ihrer Gesamtheit dazu auffordern, immer kritisch zu bleiben und in Wort und Tat sich selbst immer treu zu bleiben“, erklärt Oberst Hellwig. „Diese Worte haben mir immer Orientierung gegeben wie auch die meines damaligen Lehrers, der von seinen Schülern immer verlangt hatte, die Mitmenschen so zu behandeln, wie sie selber gerne behandelt werden wollen.“

Die Rolle als Bergführer

Admiral Stawitzki dankte Oberst Hellwig, der für ihn bei seinem Dienstantritt an der Führungsakademie wie ein „Bergführer“ gewesen sei. Er habe ihm den Einstieg als Kommandeur deutlich erleichtert und ihn symbolisch in die Seilschaft „Führungsakademie“ aufgenommen, die Orientierung gab. Die Worte eines alten Holzmeisters, den Ernst Wiechert in einer Erzählung aus dem alten Ostpreußen zu Wort kommen ließ, zitiert Konteradmiral Stawitzki. Für den Kommandeur sind sie ein Bild dafür, wie Oberst Hellwig in der Akademie wirkte: „Präsentiert sich die Welt in ihren beiden Polen, der Stille und dem Lärmenden, so war Oberst Hellwig derjenige, der stille innehalten konnte, um zu beurteilen und um dann seinen Entschluss und seinen Rat zu geben.“ Oberstleutnant Voigt als neuer Leiter der Gruppe "Strategie und Entwicklung" dankt seinem Vorgänger für die Kameradschaft, sein An-die-Hand-Nehmen, das es ihm leicht gemacht habe, in die Aufgabe als neuer Leiter hineinzufinden. Oberst Hellwig habe darüber hinaus immer Zeit für ein persönliches Wort gehabt. Das habe ihm sehr imponiert.

Artillerie und Ballistik bestimmte sein Leben

Hellwig trat am 1. Juli 1975 in das Panzerartilleriebataillon 55 in die Bundeswehr ein. Dieser Truppengattung sollte fortan sein Herz gehören. Wenngleich seine späteren Verwendungen ihn immer weniger mit den Fragen der taktischen Feuerunterstützung, des Joint Fire Supports oder der Ballistik konfrontieren sollten, blieb er doch immer seiner Herkunft treu. In dem von ihm als Autor mitgestalteten Buch „Der Golfkrieg“, das 1992 als eines der ersten Bewertungen zu diesem Konflikt herausgekommen ist, beschäftigte sich Oberst Hellwig ausführlich mit der Rolle und Bedeutung ballistischer Flugkörpersysteme. Doch offenbarte sich in demselben Buch auch der „Stratege“ Hellwig. Mit klarem Urteil nimmt er darin zum Nord-Süd-Konflikt und zu der sich daraus ergebenden sicherheitspolitischen Bedeutung Stellung. Die weiteren Karriereschritte führten Oberst Hellwig in vielfältige Verwendungen, so unter anderem als G4 im Stab der nunmehr aufgelösten ehemaligen Panzergrenadierbrigade 7, als Kommandeur des Panzerartilleriebataillons 325, als Referent im Führungsstab des Heeres oder als Tutor an der Führungsakademie. Es schließt sich der Kreis an der Führungsakademie, wo er seit Januar 2015 die Gruppe "Strategie und Entwicklung" führte.

Strategie an der Führungsakademie

Als Leiter war Oberst Hellwig wesentlich mitverantwortlich für die strategische Ausrichtung der Führungsakademie. An diesem Prozess war Hellwig mit seiner Gruppe maßgeblich mit beteiligt. In einem Interview mit der Zeitschrift IF (Innere Führung) betont er jedoch zugleich, dass „ja nicht alles anders werden muss an der Führungsakademie - zu unserem Auftrag hat es schon immer gehört, die Lehre aktuell zu halten“. Dennoch: „Die letzten 10 Monate seit der Rede von Bundesverteidigungsministerin von der Leyen waren arbeitsreich gewesen, doch auch erfüllend“, wie Hellwig darlegt, „weil es viel zu bewegen galt.“ Er habe die Zeit an der Führungsakademie, „einer herausragenden Ausbildungsstätte“, immer als ein Privileg empfunden.

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt

Wenn am 1. Oktober ein neuer Lebensabschnitt beginnt, dann kann der Vater von zwei erwachsenen Kindern auch auf zwei Auslandseinsätze als Chief Force Issue Policy im KFOR-Hauptquartier und als Chief of Staff im Regional Command North in Masar-e Scharif zurückblicken. Gerade seine Verwendung in Masar-e Scharif stellte für ihn „den persönlichen Höhepunkt seiner Bundeswehrzeit dar“, wie Hellwig erklärt. „Dort wusste er, wozu er ausgebildet worden ist.“ Für Oberst Hellwig geht ein erfülltes Bundeswehr-Berufsleben seinem Ende entgegen. Er wäre jedoch nicht er selbst, wenn er „seiner“ Bundeswehr nicht verbunden bliebe. Ob er, wenn er könnte, noch einmal etwas anders machen würde? „Nein“, sagt er, „ich bin mit mir selbst im Reinen.“ Und um alles noch einmal in Ruhe aus verschiedenen Perspektiven Revue passieren zu lassen, beginnt er seinen neuen Lebensabschnitt mit einem Konzertbesuch von Reinhard Mey in Hamburg.

Vor 55 Jahren: Charles de Gaulle besucht die Führungsakademie

Autor: Dr. Wolfgang Schmidt; Fotos: Auswärtiges Amt/ ullstein bild

Hamburg, 07.09.2017

Charles de Gaulle, Präsident Frankreichs (hinten l.), mit Paul Nevermann, Bürgermeister von Hamburg (hinten r.)

Charles de Gaulle an der Führungsakademie der Bundeswehr

Als am 7. September 1962, also heute vor 55 Jahren, der damalige französische Staatspräsident Charles de Gaulle die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg besuchte, war dies in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswertes Ereignis. Für diesen relativ kurzfristig angesetzten Aufenthalt des hohen Gastes wurde eine lang geplante Veranstaltung an der Führungsakademie verschoben. Der damalige Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Ulrich de Maizière, versicherte de Gaulle, dass sich die Akademie der „historischen Bedeutung dieses Augenblicks voll bewusst“ sei. Und als historisch konnte der Besuch bezeichnet werden. Denn erstmalig in der deutschen Militärgeschichte stattete ein „Staatsoberhaupt einer großen benachbarten und verbündeten Nation der höchsten deutschen militärischen Ausbildungsstätte einen Besuch“ ab.

Ein Besuch mit Symbolik

Für die Zeitzeugen an der Führungsakademie war es jedoch nicht der Besuch des französischen Staatspräsidenten, sondern der des 71-jährigen de Gaulle in der Uniform als General des französischen Heeres. Dies, wie auch weite Teile seines Staatsbesuchs in Deutschland, der vom 4. bis zum 9. September 1962 dauerte, waren zutiefst von Symbolik geprägt. Der französische Staatsmann mit seiner Neigung zu dekorativem Zeremoniell verstand sich bestens darauf. Den deutschen Gastgebern hingegen bereitete der Besuch im Vorfeld einiges diplomatisches Kopfzerbrechen. Man befürchtete im Hinblick auf die Kontakte zur damaligen Sowjetunion politische Verwicklungen vor dem Hintergrund des Frontverlaufs im Kalten Krieg.

Hamburgs „französische Vergangenheit“

Dass der französische Präsident auch nach Hamburg kommen sollte, war zunächst gar nicht im Interesse der deutschen Seite. Namentlich die Freie und Hansestadt an der Elbe stand dem Wunsch aus dem Élysée-Palast zunächst sehr reserviert gegenüber. In der selbst erklärten anglophilen Stadt erinnerte man sich durchaus der drückenden „Franzosenzeit“ von 1806 bis 1814, als die einstmals freie Stadt in das napoleonische Empire eingegliedert war. Tatsächlich wurden der Empfang de Gaulles in Hamburg 1962, seine Rede vom Rathausbalkon, das anschließende „Bad in der Menge“ und seine Rede in der Universität zu einem großen Erfolg. Keine alten Ressentiments überschatteten den Aufenthalt.

De Gaulle und Adenauer

Befürchtungen vor den „militärischen Passionen“ de Gaulles hegte vor allem Bundeskanzler Konrad Adenauer. Denn de Gaulle wollte zunächst die Lüneburger Heide mit Blick auf ihre „Panzertauglichkeit“ besichtigen und dann bei der Weiterfahrt nach Hamburg den Truppenübungsplatz Munsterlager inspizieren. Mit Verweis auf damit verbundene politische Verwicklungen mit der Sowjetunion, die sich angesichts des ein Jahr zuvor erfolgten Mauerbaus aufgrund einer solchen „Demonstration der deutsch-französischen Waffenbrüderschaft“ provoziert fühlen könnte – so schrieb es nicht nur der Spiegel, sondern in diese Richtung gehend äußerte sich auch Moskaus Botschafter in Bonn – blieb dann nur mehr der Besuch an der Führungsakademie aus der militärischen Wunschliste de Gaulles übrig.

Besuch in Hamburg und an der Führungsakademie

Damit der französische Staatspräsident das Bundeswehrgelände in Blankenese aber in seiner Generalsuniform betreten konnte, bedurfte es freilich der textilen Veränderung. Er kam unmittellbar vom Hamburger Rathaus im dunklen Anzug angefahren. Das klassizistische Jenisch-Haus diente dabei kurzzeitig als herrschaftliche „Garderobe“. Der „Kostümwechsel“ war eine bewusste und zweckgerichtete Inszenierung. De Gaulle wollte vor den Angehörigen der Führungsakademie als Gleicher unter Gleichen wahrgenommen werden. „Unter Soldaten – wie wir es sind …“, so beginnt auch der zweite Satz seiner auf Deutsch gehaltenen Anrede. Weiterhin sprach er von der Militärtechnik und vom Pflichtbewusstsein als „einem großen und edlen gemeinsamen Bereich (…), der allen den gleichen Stempel aufdrückt“. Deshalb „wollte General de Gaulle den guten Offizieren, die sie sind, gerne einen Besuch abstatten.“

„Klaffende Wunden“

Beachtenswert ist, dass er von sich in der dritten Person (!) sprach. Nun waren diese Worte keineswegs Ausdruck einer Suche nach billiger Kameraderie. Wenngleich nicht im Detail, so doch für jedermann zu verstehen, wies er innerhalb des augenscheinlich Verbindenden auch auf die „klaffenden Wunden“ hin, die zwischen den beiden Nationen lagen. Er selbst war im Ersten Weltkrieg jahrelang in deutscher Kriegsgefangenschaft. In der Zwischenkriegszeit diente er in den französischen Besatzungsstreitkräften in Deutschland. Zwischen 1940 und 1945 stand er der französischen Exilregierung in London vor, deren freifranzösische Streitkräfte unter seiner Führung gegen Deutschland kämpften.

Überwindung der deutsch-französischen Feindschaft

In dem Besuch ging es de Gaulle wie auch Adenauer um die Überwindung der deutsch-französischen und der europäischen Gewaltgeschichte. Genau darauf zielten die zentralen, weiteren Worte des französischen Gastes ab. Der uniformierte Staatsmann bemühte dazu den deutschen Schriftsteller Carl Zuckmayer, um den Kern nicht nur seines Besuches an der Führungsakademie, sondern auch um das grundlegende politische Credo der damaligen Politik plakativ zu unterstreichen: „War es gestern unsere Pflicht, Feinde zu sein, ist es heute unsere Pflicht, Brüder zu werden“. Gewiss, der an diesem Ort passende Satz war vermutlich gedacht als Courtoisie vor dem deutschen Publikum. Notwendig war der darin apostrophierte Inhalt im Lichte der bisherigen deutsch-französischen und europäischen Geschichte allemal. Er zielte zunächst natürlich ganz zweckgerichtet auch auf die damalige politische Lage ab. Sowohl de Gaulle, als auch der Kommandeur der Führungsakademie sowie Verteidigungsminister Franz Josef Strauß ließen in ihren Statements und Begrüßungen keinen Zweifel an den unmittelbaren Notwendigkeiten einer transnationalen, auch militärischen Zusammenarbeit innerhalb der transatlantischen Vertragsgemeinschaft.

Freundschaftliche Geste

Über die bloße Darstellung der Generalstabsausbildung hinaus, die zwar den Kern des Vortrages des Akademiekommandeurs ausmachte, wies de Maizière nachdrücklich darauf hin, dass die Bundesrepublik „ihre nationale Sicherheit mit eigenen Kräften nicht mehr gewährleisten“ könne. Sie brauche „gute und starke Verbündete und Freunde“. Mit letzterem Wort rezipierte er wohl den damals in Gang gesetzten Prozess der „Deutsch-Französischen Freundschaft“, welcher wenige Monate später Anfang 1963 im sogenannten Élysée-Vertrag auch formell ratifiziert werden sollte – einschließlich der militärischen Zusammenarbeit. Strauß wiederum maß dem Erscheinen des General-Präsidenten an der Führungsakademie eine grundsätzliche, symbolische Freundschaftsgeste zu. Er sei die „bewegende Kraft“, von dem die „hohen europäischen Traditionen der Freiheit und des Rechts auszugehen vermögen“.

NATO ohne Frankreich

Noch konnte man den Worten de Gaulles freilich nicht entnehmen, dass er zeitgleich schon daran arbeitete, dass Frankreich den militärischen Arm der Nordatlantischen Allianz verlassen sollte. Ihm missfiel die US-Dominanz in Europa. Mit dem Ausscheiden Frankreichs aus der militärischen Organisation der NATO im Jahre 1966 hat de Gaulle der Verteidigung Europas Schaden zugefügt. Sein von der Vernunft geleitetes Augenmerk war in Hamburg erklärtermaßen darauf gerichtet, „in Zukunft Frankreich, Deutschland und deren Streitkräfte in die Bahn der Vereinigung und Freundschaft zu lenken“. Über die bestimmende Kraft in diesem Bund verlor er freilich kein Wort. Tatsächlich schwebte ihm ein kontinentales Bündnis unter französischer Führung mit westdeutscher Juniorpartnerschaft unter dem Dach der politischen Allianz vor.

Eine große Ehre

Gewiss war es ihm „eine Ehre“, wie er sagte, dass er die Angehörigen der Führungsakademie gleichsam stellvertretend für die gesamte Bundeswehr, die sich ja noch im Aufbau befand, besuchen konnte. Geradezu glücklich schätzte er sich, durch seine Worte die Gedanken der Anwesenden angeregt zu haben. De Gaulle machte wahrlich keinen Hehl aus seiner auch tatsächlichen, politischen Bedeutsamkeit dieser Zeit. Ob alle anwesenden älteren deutschen Offiziere den kameradschaftlichen Gestus jenseits der von der rationalen Vernunft geleiteten militärischen Zusammenarbeit vollumfänglich geteilt haben, ist schwer zu beurteilen.

Ambivalentes Verhältnis

De Gaulles Verhältnis zu Offizieren der Bundeswehr war nämlich höchst ambivalent. Gegen General Dr. Hans Speidel, einen der Befürworter der westdeutschen „Wiederbewaffnung“ in den 1950er Jahren und seit 1957 Oberbefehlshaber der Alliierten Landstreitkräfte mit Sitz in Fontainebleau, entfachte er eine politische Kampagne, die Speidels Vergangenheit betraf. Einerseits war General Speidel Angehöriger im Stab des deutschen Militärbefehlshabers in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs, was ihm Deportationsvorwürfe französischer Widerstandskämpfer, darunter Freunde de Gaulles, einbrachte. Zugleich aber stand Speidel dem Militärischen Widerstand gegen Hitler nahe, war nach dem 20. Juli 1944 verhaftet worden und nur knapp der Todesstrafe entgangen.

Nicht ohne ein letztes Wort

Andererseits, und dies war um 1960 politisch wohl gravierender, sah de Gaulle höchst ungern französische Soldaten unter einem deutschen Oberbefehlshaber. Auch verlangte er dessen Ablösung und Rückberufung nach Deutschland, was schließlich zum Erfolg führte. Binnen Jahresfrist nach dem Besuch des französischen Staatspräsidenten in Hamburg verließ der deutsche Vier-Sterne-General unter formeller Gesichtswahrung Fontainebleau. Er ging 1963 in den Ruhestand, aber nicht ohne vorher noch an gleicher Stelle, wie ein Jahr zuvor de Gaulle, zu den Angehörigen der Führungsakademie gesprochen zu haben.

Deutsch-französische Freundschaft

Wenn die Führungsakademie nun im Jahr 2017 an die 55-jährige Wiederkehr des Besuchs des französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle erinnert, dann ist dieser Besuch zu sehen im Lichte der Jahrhunderte dauernden deutsch-französischen und europäischen Gewaltgeschichte und der großartigen Friedensleistung, welche damals wenigstens für einen Teil Europas grundlegend geformt worden ist. Die Anwesenheit de Gaulles am 7. September 1962 an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg reiht sich ein in diesen historischen Prozess. Seine Wirksamkeit entfaltet er bis heute.

Die Rede vom Akademiekommandeur vom 07.09.1962 zum Nachlesen

Die Rede von General Charles de Gaulle vom 07.09.1962 zum Nachlesen

,,Geplante" Trendwenden

Autor: Ove Horstmann; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 05.09.2017

Planung verlangt Verständnis für komplexe Zusammenhänge

Reges Interesse beim künftigen Planungspersonal

Erfahrene Anwender geben ihr Wissen weiter

Lebenssituationen zu planen, ist jedermann bekannt. Sei es, dass es sich um ein Treffen mit Freunden, einen Urlaub oder um neue Anschaffungen handelt. Der Gedanke, wie wir unser Leben durch Planung gestalten wollen, wird dabei durch den Wunsch nach Verbindlichkeit und Sicherheit motiviert. Die einzelnen Planungsschritte sind dabei wohl überlegt – sei es kurzfristig, mittelfristig oder langfristig. Dieses betrifft Unternehmen und Privatpersonen ebenso wie auch Behörden – und natürlich auch die Bundeswehr.

Die Bundeswehr wird ihren Auftrag heute und künftig dann erfüllen, wenn sie über die hierfür richtigen Fähigkeiten verfügt. Dies erfordert, das Handlungs- und Leistungsvermögen der Bundeswehr systematisch und zukunftsbezogen zu beurteilen und die notwendigen Maßnahmen sowie Mittel in Einklang zu bringen. Diese Überlegungen lassen sich unter dem Begriff „Planung“ als die koordinierte Gestaltung der Zukunft zusammenführen. Anschaulich wird die Thematik an den Herausforderungen, die die Re-Fokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung wie auch auf die Umsetzung der Trendwenden "Personal", "Material" und "Haushalt" für die Integrierte Planung im Geschäftsbereich des Bundesverteidigungsministeriums bedeutet.

Das Instrument der Integrierten Planung

Damit dieses gelingt, wurde das Instrument des Integrierten Planungsprozesses (IPP) im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr geschaffen und weiterentwickelt. Es soll sichergestellt werden, dass eine Ausrichtung der Bundeswehr auf zukünftige Herausforderungen durch Planung möglich wird. Dessen zahlreiche und hierzu notwendigen Prozessschritte wie auch das Zusammenwirken der beteiligten Planenden veranschaulichten die Komplexität von Planung in der Bundeswehr.

Der Fachbereich Führung und Management an der Führungsakademie führte im August das dritte Grundlagenmodul in diesem Jahr zur Integrierten Planung durch. Zielgruppe waren die mit der Planung in der Bundeswehr befassten Personen. Die 25 Teilnehmer stammten aus den Bereichen der zentralen Planung im Bundesverteidigungsministerium, beim Planungsamt wie auch der dezentralen Planung, d.h. aus der Weiterentwicklung der Organisationsbereiche innerhalb der Bundeswehr. Dieses Modul fand großen Zuspruch, so dass die Teilnehmerzahl um 5 Personen erhöht werden musste.

Verständnis für „Planung in der Bundeswehr“

Ein Verständnis für die Planungsprozesse und die Zuständigkeiten beizubringen, sollte das Ziel sein. Um die Grundlagen für die Planung in der Bundeswehr systematisch zu vermitteln, folgte der inhaltliche Verlauf des Seminars dem des Integrierten Planungsprozesses. Vorträge zu politischen und ressortspezifischen Rahmenbedingungen und zu Faktoren wie der NATO bis hin zu den Vorgaben des Bundeshaushaltes steckten den planerischen Handlungsrahmen ab. Die Notwendigkeit zur zielgerichteten Priorisierung wurde den Teilnehmenden durch die hochkarätigen Gastdozenten zum Beispiel aus dem Verteidigungsministerium, dem Planungsamt der Bundeswehr wie auch dem Bundesamt für Umweltschutz, Infrastruktur und Dienstleistungen der Bundeswehr oder dem Kommando Streitkräftebasis nahegebracht.

Ausblick auf Vertiefung

Durch dieses Grundlagenmodul haben die Seminateilnehmenden die Voraussetzung für den Besuch der ebenfalls an der Führungsakademie der Bundeswehr stattfindenden Vertiefungsmodule zur Integrierten Planung gelegt. Für viele der Teilnehmenden bedeutet dieses, dass ein baldiges Wiedersehen in Hamburg anstehen wird.

Bundesministerin eröffnet Traditionsworkshop

Autor: Inka von Puttkamer; Fotos: Laura Clayborn, Michael Gundelach

Hamburg, 18.08.2017

Ankunft der Verteidigungsministerin und des Generalinspekteurs an der Führungsakademie

General Volker Wieker, Ministerin Ursula von der Leyen, Konteradmiral Carsten Stawitzki

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eröffnet den Workshop

Teilnehmer des Workshops zum Traditionserlass

Frau Professor Dr. Loretana de Libero bei ihrem Impulsvortrag

Generalleutnant a.D. Ton van Loon beim Vortrag

Bundesministerin Dr. Ursula von der Leyen hat an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) den ersten Workshop zur Überarbeitung des Traditionserlasses von 1982 eröffnet. Unter Einbindung von deutschen Soldaten und Soldaten befreundeter Nationen sowie Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft wird in insgesamt vier Veranstaltungen ein neuer Tradtionserlass entworfen. Auf Hamburg folgen Koblenz, Potsdam und Berlin. Das Auftaktthema lautet „Die Tradition der Bundeswehr im Kontext von europäischer Verteidigungsidentität und transatlantischer Sicherheitspartnerschaft“.

„Kann mir keinen besseren Ort vorstellen“

Aus zweierlei Gründen ist die Führungsakademie der passende Ort für diese Eröffnung, wie Frau von der Leyen betonte. Zum einen steht die FüAkBw für höchste Ansprüche in der Ausbildung des militärischen Führungsnachwuchses und dazu gehört die intensive Auseinandersetzung mit dem Traditionsverständnis. Zum anderen ist auch das uniformierte Publikum bunt. Dieses zeigt der Blick in die Zuhörerschaft. Gut ein Viertel der knapp 300 Zuhörer sind Soldaten aus anderen Nationen, die Lehrgänge an der Akademie besuchen und hier ihre Expertise beitragen. Der Kommandeur der FüAkBw, Konteradmiral Carsten Stawitzki, empfindet es als Ehre, dass die Akademie die Auftaktveranstaltung ausrichten darf. Er wünscht sich in seinen Begrüßungsworten Unterstützung bei der Beantwortung der Zukunftsfragen durch die geistige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Vier wesentliche Änderungen seit 1982

Mit dem kurzen Hinweis darauf, dass die Bundeswehr 2017 bereits doppelt so alt ist wie sie 1982 war und damit doppelt so viel Erfahrungen aufweisen kann, kommt von der Leyen auf die Faktoren zu sprechen, die sich für die deutschen Streitkräfte seit Erstellung des Traditionserlasses geändert haben: Von der Abschreckung im Kalten Krieg gelang der Wandel zur Einsatzarmee, die sowohl Bündnisverteidigung als auch internationales Krisenmanagement kann. Damit einher geht ein Wandel im Selbstverständnis der Soldaten, denn der Preis des eigenen Lebens ist nicht mehr Theorie, sondern Teil der Einsatzrealität geworden. Gleichzeitig ist die Bundeswehr durch die Aussetzung der Wehrpflicht und den Zuwachs an Menschen mit unterschiedlichen Geschichten und Geschlechtern vielfältiger geworden. Weiterhin hebt die Ministerin die Multinationalität der Bundeswehr hervor. Die Verantwortung gegenüber Partnern, NATO und EU ist inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Ihr letzter Punkt bezieht sich auf die Gesellschaft, die offener, aber gleichzeitig auch kritischer geworden ist. All diese Entwicklungen erfordern eine Neubetrachtung von Tradition.

Akzeptanz in der Gesellschaft

„Tradition in unserer Bundeswehr soll als Kompass dienen, der unseren Soldatinnen und Soldaten Orientierung, Halt und Maßstäbe für das eigene Handeln geben kann. Im Dienstalltag ebenso wie im Einsatz. Und besonders auch in existenziellen Extremsituationen, die der Einsatz erfordern kann.“ Mit diesem hohen Anspruch verträgt die Überarbeitung des Traditionserlasses keine Eile, so von der Leyen. Besonders wichtig ist ihr die „Anschlussfähigkeit“ des Traditionsverständnisses der Bundeswehr an die Gesellschaft, an die Geschichte und an die Gegenwart. Gerade deshalb sitzen so viele zivile Vertreter in den Workshops. Nur wenn die Gesellschaft versteht, worauf die Soldaten der Bundeswehr stolz sind, kann sie im Gegenzug stolz auf ihre Armee sein.

„Die Wehrmacht kann nicht traditionsstiftend sein“

Die Identität der Bundeswehr muss sich im Traditionsverständnis widerspiegeln. Dazu gehören die freiheitlichen Werte, die der Soldat mit seinem Leben zu verteidigen schwört, aber auch die soldatischen Tugenden Tapferkeit, Kameradschaft, Wahrhaftigkeit und Fürsorge. Bei der Identifikation von Vorbildern warnt von der Leyen davor, klare Antworten zu erwarten. Gerade die Betrachtung von Persönlichkeiten aus vergangenen deutschen Streitkräften zeigt Brüche, Unstimmigkeiten und Diskussionspotential. Tat, Sinn und Ziel sind immer im historischen Kontext zu betrachten. Die Wehrmacht kann nicht traditionsstiftend für die Bundeswehr sein, betont die Ministerin und führt aus, dass es einzelne Persönlichkeiten in Wehrmachtsuniform wie Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg durchaus sein können. Eine genaue Betrachtung ist gefragt und führt zu einem gesunden Traditionsverständnis. Durch diese Trennung von Geschichte und Tradition können auch Ereignisse aus der Bundeswehr nach 1982 zu einer stolzen Tradition beitragen. Doch sie führt auch aus, dass die Bundeswehr eine Geschichte hat, die es wert ist erzählt zu werden.

(Inter)nationale militärische Erinnerungskultur

Bevor die Teilnehmer der vier Panels in die Detailarbeit einsteigen, spricht Professor Dr. Loretana de Libero von der FüAkBw über nationale militärische Erinnerungskultur und Ton van Loon, Generalleutnant a.D. des niederländischen Heeres, über internationale militärische Erinnerungskultur. De Libero spricht von „Unbehagen“ in der Bundeswehr, wenn es um die Wertschätzung der eigenen Leistungen geht. Durch die Nennung zahlreicher begründeter Beispiele zeigt sie, dass es jedoch genug Ereignisse und Persönlichkeiten der jüngsten Geschichte gibt, die traditionsstiftend sind. Die in Einsätzen gefallenen Soldaten werden im „Wald der Erinnerung“ in Potsdam geehrt. So sind Ansätze einer Traditionsbildung, die aus den Einsätzen der Bundeswehr heraus resultieren, zu erkennen. Sie resümiert, dass der Bundeswehr als „Best-Ager“ nur noch nicht bewusst ist, welches beeindruckende Repertoire sie zu bieten hat. Van Loon knüpft an die Worte der Ministerin an, als er sagt, dass Tradition ein Teil des Esprit de Corps ist, um kämpfen zu können und Sinnstiftendes mit in den Einsatz nehmen zu können. Tradition gibt auch ein Gemeinschaftsgefühl, egal ob zwischen Kompanien oder multinationalen Verbänden. Tradition ist auch lebendig, führt er mit dem Verweis auf die Einführung der Wehrpflicht für Frauen in den Niederlanden 2017 aus. Er schließt den Kreis zum Ziel der Überarbeitung des Traditionserlasses: „Der Fortschritt ist kein Vorwand, nichts zu ändern, sondern er ist Mut zur Veränderung.“

Weitere Informationen:

Die vollständige Rede der Bundesministerin der Verteidigung, Dr. Ursula von der Leyen, lesen Sie hier

Den Vortrag von Frau Professor de Libero zum Nachlesen erhalten Sie über diesen LINK

„Machen ist unsere Leidenschaft!“

Autor: Inka von Puttkamer; Fotos: Bundeswehr

Hamburg, 14.08.2017

General Zimmer ,,Der Erfolg in der Rüstung ist ein Gemeinschaftsprojekt"

"Infanterist der Zukunft"

U32 Typ 212A an der Pier











Mit Praxisbeispielen im Gepäck reiste der Abteilungsleiter Ausrüstung, Generalleutnant Benedikt Zimmer, nach Hamburg, um den jungen Berufsoffizieren des „Basislehrgang Stabsoffizier“ an der Führungsakademie der Bundeswehr einen Überblick über die Rüstung zu geben.

Wohin mit der Rüstung?

Das ist das Ziel: allen Soldatinnen und Soldaten die bestmögliche Ausrüstung zur Verfügung stellen, damit sie ihren Auftrag erfolgreich erfüllen können. Die „Trendwende Material“ hat dazu einen großen Stein ins Rollen gebracht, um Ausrüstung, die im besten Falle preiswerter als bisher ist, schneller in die Truppe zu bringen als bisher. Die „Agenda Rüstung“ von 2014 soll zu einer gezielten Modernisierung und Optimierung des gesamten Rüstungswesens der Bundeswehr führen. Es gibt eine neue strategische Ausrichtung, die strikt bedarfsorientiert ist und klare rüstungspolitische Ziele hat. Zu diesen gehören zum Beispiel internationale Kooperationen, aber auch das Abstützen auf nationale Schlüsseltechnologien. Zur Agenda Rüstung gehören des Weiteren ganz konkrete operative Ziele wie ein besseres Vertragsmanagement und das schnellere Herbeiführen notwendiger Entscheidungen. Abgerundet wird die Agenda durch ein neues Selbstverständnis, aus dem Lösungsorientierung, Transparenz und Risikobereitschaft hervorstechen. Erst kürzlich hat die mit der Rüstung beauftragte Staatssekretärin Katrin Suder zu dem Thema an der Führungsakademie vorgetragen .

Sinnvolle Verbesserungen

Was bedeutet das alles konkret? Die Fähigkeitsforderungen an ein neues System übersteigen oft das, was als Kompromiss realisiert werden kann. Wird ein Hubschrauber gesucht, der sowohl von der Marine als auch von Spezialkräften genutzt werden soll, hat jeder Nutzer viele individuelle Wünsche, die unter einen Hut gebracht werden müssen. Soll der „Infanterist der Zukunft“ alles haben, was ihm in sämtlichen Lagen helfen kann, trägt er eine unfassbar schwere Ausrüstung. Kluges Abwägen und das Vertrauen auf den gesunden Menschenverstand sind essentiell. Von daher wurde der Dialog zwischen dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und der Verteidigungsindustrie auf eine neue, strukturierte Basis gestellt, wobei die Erwartungen der Bundeswehr als öffentlicher Auftraggeber an die Industrie klar artikuliert werden. So kann bei Neu- und Fehlentwicklungen, aber auch bei Nachrüstungsbedarf schneller eingegriffen und geändert werden. Mit den halbjährlichen Berichten des BMVg zu Rüstungsangelegenheiten wird das Parlament regelmäßig und transparent über Rüstungsprojekte informiert. Ein Musterprojekt ist die Kooperation im UBoot-Bau zwischen Deutschland und Norwegen. Die strategische Partnerschaft wird baugleiche U-Boote für die deutsche und die norwegische Marine hervorbringen und garantiert gleichzeitig eine Schlüsseltechnologie.

Selbst mitmachen!

General Zimmer wirbt für den Arbeitsplatz Rüstung – „wir können nur selbst etwas ändern, wenn wir in die Rüstung gehen!“ Er macht deutlich, dass er ein Fan von pragmatischen Entscheidungen ist und rät seinen Zuhörern, zügige Lösungen für Herausforderungen zu finden, Dinge möglich zu machen und Fehler zunächst bei sich selbst zu suchen, den „eigenen Bereich aufzuräumen, bevor man mit dem Finger auf andere zeigt“. So füllt man den neuen Rüstungsprozess mit Leben. In einem Interview 2015 hebt er die Verbindung von Mensch und Material, von „Agenda Attraktivität“ und „Agenda Rüstung“ hervor: „Der Erfolg in der Rüstung ist ein Gemeinschaftsprojekt.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bundeswehrsozialwerk ist erfolgreich beim Kinderfest

Autor: Birgit Schön; Fotos: Birgit Schön

Hamburg, 14.08.2017

Familie eines italienischen Lehrgangsteilnehmers des LGAN 2015

Hauptmann a.D. Hellwege unterstützt die Arbeit des Regionalteams, neben ihm Oberbootsmann Bohlmann

Regionalstellenvorstand BwSW HH mit dem Gewinner Leve des Reiterwochenendes

Bei - für diesen Sommer seltenem - Sonnenschein hat an der Führungsakademie der Bundeswehr das alljährliche Kinderfest stattgefunden. Es warteten viele Mitmachaktionen und die traditionelle Tombola der Regionalstelle des Bundeswehr-Sozialwerkes (BwSW) zugunsten der Sorgenkinder durfte nicht fehlen.

Guter Zweck mit langer Geschichte

Das BwSW hatte sich bei Gründung zum Ziel gesetzt, insbesondere einkommensschwächere Familien und junge Familien mit Kindern aus der Bundeswehr zu unterstützen. Mit der 1973 ins Leben gerufenen „Aktion Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien“ wird zusätzlich noch dort geholfen, wo Familien allein überfordert sind. Sei es der behindertengerechte Umbau von Fahrzeugen, Treppenlifter, ungedeckte Behandlungskosten, Kuren, Rollstühle, Kosten für nicht anerkannte Heilmethoden, Delfintherapien und vieles mehr – die Aktion Sorgenkinder kann es möglich machen. Das BwSW hilft darüber hinaus auch den vom Auslandseinsatz betroffenen Bundeswehrfamilien.

Großzügige Gewinne

Dank der Spendenbereitschaft zahlreicher Sponsoren gab es wieder wertvolle Sachpreise und Gutscheine sowie Trostpreise zu gewinnen. Kein Loskäufer ist leer ausgegangen, denn seit Jahren ist die Devise: „ jedes Los gewinnt“. Ein besonders glückliches Händchen hatte der siebenjährige Leve aus dem an der Führungsakademie angesiedelten Kindergarten – er freute sich über ein Reiterwochenende auf dem Ponyhof Pampow. Dieses hat die Familie eines an der Akademie tätigen Soldaten gestiftet. Nicht besser, aber anders war der zweite Hauptgewinn: ein Gutschein in Höhe von 100,- Euro für einen Aufenthalt in einem Haus des BwSW. Der glückliche Gewinner Oberstleutnant Armin Bähr freute sich darüber sehr: ,,Das ist ein guter Grund, mal wieder Urlaub in einem der schönen Häuser des BwSW zu machen“ So sind die beiden großen Gewinne sogar „altersgerecht“ gezogen worden.

Gute Teamarbeit

Der eigentliche Hauptgewinner war aber wie jedes Jahr die Aktion Sorgenkinder selbst. Ihr kann nun die stolze Summe von 884,24 Euro zur Verfügung gestellt werden. Im Herbst sind noch zwei Aktionen geplant, durch die weitere Spenden für die Aktion "Sorgenkindern in Bundeswehrfamilien" einzuwerben. Das Regionalstellenteam des Bundeswehrsozialswerks an der FüAkBw bedankt sich herzlich bei allen Loskäufern und Sponsoren.











Die Reserve ist und bleibt unverzichtbar!

 

Die Reserve ist und bleibt unverzichtbar! ‐ Generalleutnant Peter Bohrer an der Führungsakademie der Bundeswehr

Autor: Bundeswehr ; Fotos: Katharina Junge

Hamburg, 07.08.2017

,,Die Reservedienstleistenden sind wichtiger denn je!"

Ziel: noch mehr Interessenten für eine Laufbahn in der Reserve

Zuhörer in für sie nicht alltäglichen Uniformen

Bohrers Dank geht an seine Zuhörer für geleisteten Dienste

Als Stellvertreter des Inspekteurs der Streitkräftebasis ist Generalleutnant Peter Bohrer Beauftragter für Reservistenangelegenheiten. In dieser Funktion hat er das einwöchige Modul „Aktuelle Entwicklungen der Sicherheitspolitik für Stabsoffiziere der Reserve“ besucht. Organisiert durch den Fachbereich Politik‐ und Gesellschaftswissenschaften waren die Teilnehmer durch die Bank Reservisten und damit die Zielgruppe Bohrers.

Gesamtes Spektrum betrachtet

Sein Vortrag über die Weiterentwicklung der Reserve unter geänderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen ist das „Highlight“ in einem Reigen aus Blitzlichtern über die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik. USA, China, Afrika, Cybersicherheit, Populismus – alle aktuellen Themen sind beleuchtet und aufgrund der sehr unterschiedlichen Expertise der Teilnehmer sehr breit diskutiert worden. General Bohrer ist durch die Betroffenheit aller Modulbesucher gespannt erwartet worden.

Die Reserve ist Alleskönner

„Die Reserve unserer Bundeswehr rückt durch die Wiederbetonung der Landes- und Bündnisverteidigung, des Heimatschutzes, wieder sehr stark in den Fokus“, führt Bohrer vor dem Hintergrund der Festlegungen des Weißbuches aus. Neben der Einsatzgestellung trägt Deutschland als Transitland besondere Verantwortung und ist dabei dem gesamten Portfolio hybrider Bedrohungen ausgesetzt. Vor allem gefordert sind Fähigkeiten zur Erfüllung Nationaler Territorialer Aufgaben und Host Nation Support - die Unterstützung von verbündeten Streitkräften im eigenen Land, zum Beispiel bei Schiffsbesuchen. Darunter werden aber auch die Kenntnisse von Objektschutz‐ und Logistikkräften, von Feldjägern bis hin zur ABC‐Abwehrtruppe verstanden und genutzt. Aufgrund dieses Spektrums fordert Bohrer eine stärkere Differenzierung der Aufgaben der Reserve, aber auch eine stärkere Einbindung in die Auftragserfüllung der Streitkräfte.

Blick in die Zukunft

Das Konzept der regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSU), in denen Reservisten organisiert sind, bezeichnet Bohrer als echtes Erfolgsmodell, das er weiter ausbauen will. Sie haben regionale Expertise, arbeiten Seite an Seite mit aktiven Soldaten, erfüllen Sicherungsausgaben und stehen auch bei Katastrophenfällen und schweren Unglücken zur Verfügung. „Wir brauchen allerdings noch weitere Anreize für Arbeitgeber, die einen Reservisten freistellen sollen als auch für die Reservedienstleistenden an sich, um noch mehr Menschen für uns zu gewinnen“, führt Bohrer mit dem Hinweis auf zwei Dinge aus - Planbarkeit für alle Beteiligten und zivil verwertbare Fähigkeiten, die während der Reserveübung erworben werden können. Insbesondere angesichts der ausgesetzten Wehrpflicht und immer länger geplanten Verpflichtungszeiten hebt General Bohrer die Notwendigkeit der Regeneration der Reserve aus ungedienten Teilen der Bevölkerung hervor. Dass ihm die Ideen nicht ausgehen, ist daran zu merken, dass er zum Schluss vorschlägt, Flexibilität durch Lehrgangsteilnahme in modularen Abschnitten zu schaffen sowie ein kostenloses Leadership‐Training im Karrierecamp anzubieten. Die Reservedienstleistenden liegen General Bohrer sehr am Herzen und so spricht er Ihnen vor seinem Abschied seinen Dank für die in die Bundeswehr investierte Zeit aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kontinuität und Stabilität in unruhigen Zeiten

Autor: FüAkBw ; Fotos: Katharina Junge

Hamburg, 01.08.2017

Konteradmiral Carsten Stawitzki eröffnete die 51. sicherheitspolitische Informationstagung

 Thilo Klößer -  Korrespondet des Deutschlandradios in den USA und Kanada

Das Auditorium verfolgt interessiert die diversen Vorträge

Der Präsident der Clausewitz-Gesellschaft, Generalleutnant a.D Kurt Hermann im Gespräch

 Lieutenant Colonel von Recum im offenen Austausch

Major David EricHoolbrooks der US-Army, Frank Riegner und Dr. Martin C. Wolff diskutieren über Risiken und Bedrohungen des Cyberbereichs

Offene Diskusionen über die Rolle der USA in der NATO

Kontinuität und Stabilität in unruhigen Zeiten - Tagung der Clausewitz-Gesellschaft

Kurz nach dem turbulenten G20-Gipfel in Hamburg, wenige Wochen nach dem Brüsseler NATO-Mini-Gipfel und knapp ein halbes Jahr nach dem Amtsantritt des 45. US-Präsidenten sind viele Fragen der internationalen Sicherheitspolitik offen. Die 51. Sicherheitspolitische Informationstagung der Clausewitz-Gesellschaft e.V. hat versucht, Antworten zu finden und hat sich zwei Tage lang mit dem Thema „Die Rolle der USA in einer Welt im Wandel – hat die bisherige Sicherheitsordnung noch Zukunft?“ beschäftigt. Über 200 Teilnehmer aus Politik, Militär und Gesellschaft waren an die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) gekommen, um sich mit Vorträgen und in Paneldiskussionen dem höchst aktuellen Themenkomplex zu nähern. Im Fokus stand das Verhältnis Deutschlands und Europas zu den USA im Kontext der sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen und Herausforderungen.

Denkfabrik von Außerhalb

Im Rahmen der Neuorientierung der FüAkBw soll ein Think Tank innerhalb der Akademie entstehen. Eine enge Kooperation mit einem solchen gibt es schon: Die Clausewitz-Gesellschaft e.V. ist einer der renommiertesten Think Tanks auf dem Gebiet von Sicherheits- und Verteidigungspolitik in Deutschland. Die Gesellschaft wurde 1961 gegründet und hat sich die Aufgabe gestellt, auf der Grundlage des Denkens und Werkes des Philosophen und Militärstrategen Carl von Clausewitz Erkenntnisse auf den Gebieten von Sicherheitspolitik und Strategie zu gewinnen und diese als Beitrag in die gegenwärtige und zukünftige Politikgestaltung einzubringen.

Transatlantische Experten

Zurück zur Tagung. Generalleutnant a.D. Kurt Herrmann, Präsident der Clausewitz-Gesellschaft, freute sich nicht nur über die Anwesenheit des Kommandeurs der FüAkBw, Konteradmiral Carsten Stawitzki, sondern auch darüber, dass dieser eine Einschätzung der aktuellen Lage und Herausforderungen in Verbindung mit den weiteren Entwicklungen an der Akademie teilte. Renommierte Sprecher wechselten sich ab, um in den anschließenden Fachvorträgen und Panels ihre Expertise beizutragen. Thilo Kößler, Korrespondent des Deutschlandradios in den USA und Kanada machte mit „Die USA – eine gespaltene Nation – Folgerungen für das transatlantische Verhältnis“ einen eindrucksvollen Anfang, dem von Professor Dr. Klaus Erich Scharioth, ehemaliger Staatssekretär im Auswärtigen Amt und Deutscher Botschafter in Washington D.C., mit seinem Vortrag zum Thema „Außen- und Sicherheitspolitik der USA unter Präsident Trump“ genauso interessant gefolgt wurde.

Positive Zukunftshoffnung

In der Diskussionsrunde war man sich einig: „Die großen Probleme der Welt können auch in Zukunft nur gemeinsam gelöst werden. Hoffentlich kommen bald entsprechende Signale aus den Vereinigten Staaten!“. Als „von vitaler Bedeutung“ sahen alle Teilnehmer die gemeinsame Politikgestaltung über den Atlantik hinweg an, da grade die USA die multilaterale Weltordnung nach dem 2. Weltkrieg entscheidend mitgestaltet hätten. Damit seien auch die USA eine „europäische Macht“. Zugleich mahnten viele Teilnehmer immer wieder, dass die Europäer und Deutschland mehr in diese gemeinsame Sicherheit investieren müssten.

Kollektive Bedrohung aus dem Netz

Das Thema Cyber, das derzeit in aller Munde ist, wenn es um neue Bedrohungen geht, fand einen prominenten Platz: das Clausewitz-Netzwerks für Strategische Studien (CNSS) widmete der Rolle der USA in der kollektiven Cyberverteidigung ein Spezialpanel. Major der US-Army David Eric Holbrooks und Frank Rieger, einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs, diskutierten über Risiken und Bedrohungen des alle Lebensbereiche durchdringenden Cyber- und Informationsraums sowie Fähigkeiten, Voraussetzungen, Möglichkeiten und Grenzen der entsprechend notwendigen Verteidigung.

Die Rolle der USA in der NATO

Drei weitere Panels beleuchteten das Tagungsthema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. MdB Dr. Johann Wadephul, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, Professor James D. Bindenagel, „Henry-Kissinger-Professor for International Security and Governance“ an der Universität Bonn, und Dr. David Sirakov, Direktor der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz, analysierten und brachten ihre Erfahrungen zur NATO unter der Frage „Quo vadis mit den USA?“ ein.

Zukunft der internationalen Organisationen

Aus dem europäischen Blickwinkel wurden NATO und EU anschließend mit Bezug auf die USA weiter betrachtet. Es sprachen Elmar Brok, Mitglied des Europäischen Parlaments und Abgeordneter der EVP-Fraktion und ehemaliger Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten, Botschafterin Edita Hrdá, „Managing Director for the Americas“ im Europäischen Auswärtigen Dienst, Dr. Andrew Blair Denison, Direktor Transatlantik Networks, und Professor Dr. Stefan Fröhlich, „Transatlantic Academy Senior Fellow GMF, Washington D.C.“ und Lehrstuhlinhaber Internationale Politik am Institut für Politische Wissenschaften der Universität Erlangen-Nürnberg. Sie diskutierten erfrischend engagiert und brachten allein durch ihre verschiedenen Lebensläufe ganz unterschiedliche Sichtweisen ein.

Was heißt das für die Bundeswehr?

Das letzte Panel hat sich zur Aufgabe gesetzt, die „Konsequenzen der aktuellen US-Außen- und Sicherheitspolitik für Deutschland und die Bundeswehr“ zu analysieren. PD Dr. habil. Markus Kaim, Senior Fellow der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Wolf-Christian Paes, MA, Leiter Beratungsvorhaben am „Bonn International Center for Conversion (BICC)“, Flottillenadmiral Jürgen Alfred Georg zur Mühlen, Unterabteilungsleiter Sicherheitspolitische Angelegenheiten im Bundesministerium der Verteidigung, und Brigadegeneral Dirk Heinrich Backen, ehemaliger Verteidigungsattaché an der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Washington D.C. in den USA, beleuchteten das komplexe Geflecht der Argumente nun vornehmlich mit Blick auf die erweiterte deutsche Verantwortung und daraus erwachsende Verpflichtungen.

Runde Veranstaltung

Ein festliches Abendessen inklusive Gastvortrag zum Traditionsverständnis der Bundeswehr, vorgetragen durch Professor Dr. Söhnke Neitzel, rundeten die 51. Sicherheitspolitische Informationstagung so gut ab, dass es Generalleutnant a.D. Herrmann am nächsten Tag schwer fiel, sie schon wieder zu beenden. „Ich danke den hochkarätigen Sprechern und besonders der Führungsakademie der Bundeswehr für die langjährige vertrauensvolle Kooperation mit der Clausewitz-Gesellschaft“, sagte er mit Vorfreude auf die 52. Veranstaltung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Militärakademien unter sich – Tagung in Kanada

Autor: Inka von Puttkamer ; Fotos: Mario Poirier - RMC Saint-Jean

Montreal, Kanada, 31.07.2017

Generalleutnant Choi Byeong-Ro von der Korea Military Academy

20 Nationen – ein Thema

Oberstleutnant Heymann übergibt das Wappen der Führungsakademie

Zum ersten Mal haben Vertreter der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) am „International Symposium on the Development of Military Academies“ (ISoDoMA 2017) teilgenommen. Die Tagung findet bereits zum fünften Mal statt und dient der Weiterentwicklung von Militärakademien und dem internationalen Austausch untereinander. Unter den 70 Teilnehmern, die an das Royal Military College Saint-Jean in Montreal gereist sind, sind Offiziere und zivile Mitarbeiter aus über 20 Nationen. Aus dem Fachbereich Führung und Management sind Oberstleutnant Felix Heymann und Hauptmann Dr. Philipp Schaller in Kanada vor Ort, um das Konzept der kompetenzorientierten Ausbildung vorzustellen und zu diskutieren.

Kompetenzorientierung in aller Munde

Die ISoDoMA ist 2006 aus einer Konferenz an der „Korea Military Academy“ entstanden und wird inzwischen alle zwei Jahre von wechselnden Militärakademien unter einem bestimmten Oberthema ausgerichtet. Dieses Jahr geht es um die Vereinbarkeit der intellektuellen (Fort)Bildung von Offizieren auf der einen Seite und der berufsspezifischen auf der anderen Seite. Das Thema ist in drei Panels aufgeteilt und Vortragende aus allen Teilnehmernationen berichten von ihren Akademien. Im Rahmen des letzten Pannels („The intellectual and professional development of military personnel: Competencies and Collaboration in Military Academies“) trägt Hauptmann Schaller zum Thema "Kompetenzorientierung in der Ausbildung - ein Paradigmenwechsel an der Führungsakademie der Bundeswehr" vor.

Potenziale nutzen

Die Kompetenzorientierung wird aktuell in den Ausbildungsplänen der FüAkBw manifestiert. Sie geht weg vom Modell des Frontalunterrichts und nutzt die Potenziale von Lehrgangsteilnehmenden. Sie ist darauf ausgerichtet, diese zu fördern (die Kompetenzorientierung im Basislehrgang Stabsoffizier) und Messbarkeit von Kompetenzen nach dem KODE® -Verfahren. Schaller spannt einen Bogen von den Grundsätzen der Kompetenzorientierung zum Verlauf des Veränderungsprozesses an sich. Die anschließende Diskussion befasst sich mit der praktischen Umsetzung in der Ausbildung und besonders bei Prüfungen. Außerdem wird thematisiert, wie die Veränderung in den Köpfen des Lehrpersonals manifestiert werden kann.

Erkenntnisgewinn für die FüAkBw

„Wir haben sehr interessante Impulse durch den Blick von außen auf unser Konzept bekommen. Besonders das Gespräch mit den Teilnehmern von den österreichischen Akademien war aufschlussreich – sie haben die Kompetenzorientierung schon im Lehrplan umgesetzt. Wir wollen den Kontakt in Zukunft intensivieren und uns eng austauschen!“, berichtet Schaller von seinen Erlebnissen. Deswegen ist ein Besuch geplant, aber auch die gegenseitige Unterstützung bei Problemstellungen. Zurzeit sind das besonders die beiden Herausforderungen, die Kompetenzen messbar zu machen und die Lehrpläne zu Lernplänen umzuschreiben. Hauptmann Schaller erzählt, dass einige Akademien im Gegensatz zur Kompetenzorientierung eine Akademisierung ihrer Lehre vornehmen. Das ist der Tatsache geschuldet, dass die Absolventen akademische Abschlüsse erreichen sollen. Allein an diesen unterschiedlichen Entwicklungen ist zu sehen, dass das regelmäßige Zusammentreffen ein Gewinn ist, um nationenübergreifend auf einem Kenntnisstand zu bleiben. Wenn die nächste ISoDoMA 2019 in Schweden stattfindet, ist die Anreise von der FüAkBw auf jeden Fall etwas kürzer als nach Kanada.

„Wir können unheimlich viel voneinander lernen“

Autor: FüAkBw; Fotos: Bundeswehr

Hamburg, 27.07.2017

Moderne Ausbildungsräume: Jeff LaMoe, Chef des Stabes im U.S. Army Combined Arms Center, führt Konteradmiral Stawitzki durch das Lewis & Clark Center in Fort Leavenworth

Verbundenheit mit Tradition: In den Carlisle Barracks, dem Sitz des Army War College, erinnert eine Statue an Friedrich den Großen

Transatlantische Freundschaft: Major General Kem überreicht Konteradmiral Stawitzki eine Chronik der militärischen Liegenschaft Leavenworth im Besprechungsraum des deutschen Heeresverbindungsstabs

Kommandeur Konteradmiral Carsten Stawitzki zum Antrittsbesuch bei den Partnerakademien in den USA

Auf einmal scheint Deutschland sehr viel näher, als die vielen Stunden im Flugzeug auf dem Weg über den Atlantik es vermuten lassen. Im Lewis & Clark Center in Fort Leavenworth trifft Konteradmiral Carsten Stawitzki, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, unvermittelt auf "seinen Chef", den amtierenden Generalinspekteur.

General Volker Wiekers Foto hängt in der Wall of Fame des U.S. Army Command and General Staff College (CGSC), gleich neben dem Bild von Generalleutnant Jörg Vollmer, dem Inspekteur des Heeres. Wie 27 Regierungschefs – vier davon noch im Amt – und unzählige militärische Topentscheider rund um den Globus, haben beide hier nach ihrer Zeit an der Führungsakademie auch den amerikanischen Heeresgeneralstabslehrgang besucht. Im Feld der Professional Military Education ist das CGSC eine der ersten Adressen in der Welt – und seit über 50 Jahren Kooperationspartner der Führungsakademie. Grund genug für Stawitzki, die erste Woche der Akademieferien für einen Besuch hier zu nutzen: "Nachdem wir seit der Rede unserer Ministerin am 3. November und gerade auch in den letzten Monaten die Weichen für die Weiterentwicklung unserer Akademie gestellt haben, war es mir wichtig, jetzt Flagge bei unseren Partnern im Ausland zu zeigen."

In Fort Leavenworth stehen für Konteradmiral Stawitzki ein Gespräch mit dem Provost des CGSC, Major General John S. Kem, ein Besuch in der School of Advanced Military Studies, Teffen mit Lehrpersonal und dem Vertretern der Army University Press und natürlich Gesprächsrunden mit deutschen Lehrgangsteilnehmenden und Stammpersonal auf dem Plan. Ein volles Programm – und damit exemplarisch für seine Woche: Tatsächlich ist Leavenworth in Kansas für ihn bereits Station Nummer vier in den Vereinigten Staaten. In den drei Tagen zuvor hat der Kommandeur der Führungsakademie bereits die National Defense University (NDU) in Washington D.C., das Army War College in Carlisle und das Naval War College in Newport besucht und sich dort mit seinen Amtskollegen ausgetauscht. Nach dem Stop in Fort Leavenworth geht es weiter nach Montgomery, zur Air University der U.S. Luftwaffe. Konteradmiral Stawitzki: „Die militärische Spitzenkräfteausbildung in den USA unterscheidet sich an vielen Stellen von unserer Arbeit hier an der Akademie. In anderen Punkten liegen wir wiederum sehr dicht beieinander. Mir war wichtig, ein ganzheitliches Bild davon zu bekommen, wie unser transatlantischer Partner seine militärische Führungselite auf ihr anspruchsvolles Aufgabenpaket vorbereitet – deswegen habe ich mich bei allen Teilstreitkräften angemeldet.“ Im Sinne des Auftrags der Ministerin, die Führungsakademie zu einem strategischen Think Tank weiterzuentwickeln, liegt sein Fokus gerade auch auf der Frage, wie das U.S.-Militär Strategen ausbildet und durch Forschungsprojekte und wissenschaftliche Veröffentlichungen zur nationalen Strategiefähigkeit beiträgt. „In den Bereichen Strategiefähigkeit und Vernetzung mit unterschiedlichsten Expertiseträgern nehme ich eine Menge mit – auch methodisch, zum Beispiel durch War Gaming auf höchstem Niveau.“

Was ursprünglich vor allem als Antrittsbesuchsreise für den im September 2016 ins Amt berufenen Kommandeur bei den Partnerinsitutionen in den USA geplant war, stellt sich für Konteradmiral Stawitzki im Kontext der laufenden Weiterentwicklung der Führungsakademie als inspirierender Gedankenaustausch heraus: „Natürlich kann man Modelle, die in den USA funktionieren, nicht eins zu eins übertragen. Aber die NDU und die War Colleges haben hier tolle Programme aufgeboten, der Austausch war sehr offen – sowohl auf Führungsebene, als auch mit Angehörigen der Fakultäten. Meine Gespräche mit den deutschen Soldaten in allen fünf Stationen haben mir die restlichen Seiten des Würfels gezeigt. Ganz klar – wir können unheimlich viel voneinander lernen. Und was mir am wichtigsten ist: Die Verbindung über den Atlantik steht, und die Bande, die uns „über den Teich“ zusammenhalten, sind stark wie eh und je.“ Nach sechs Tagen in den USA ist Konteradmiral wieder in Hamburg zurück, der Großteil der Akademie befindet sich im wohlverdienten Sommerurlaub. Für ihn und sein Team beginnt die nächste Planung: Für das vierte Quartal 2017 hat der Kommandeur sich vorgenommen, die europäischen Verteidigungsakademien der Combined Joint European Excercise Partner zu besuchen.

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